Update

Greenpeace : Deutschlandweite Proteste für Freilassung von Aktivisten

An Tankstellen in ganz Deutschland demonstrieren Mitglieder von Greenpeace für die Freilassung von 30 Aktivisten aus russischer Haft. 14 von ihnen wurden jetzt in Murmansk wegen Piraterie angeklagt, ihnen drohen bis zu 15 Jahren Haft.

Eine Greenpeace-Aktivistin demonstriert vor einer Tankstelle in Berlin.
Eine Greenpeace-Aktivistin demonstriert vor einer Tankstelle in Berlin.Foto: dpa

Umweltschützer von Greenpeace haben am Mittwoch bundesweit an Tankstellen gegen Ölbohrungen in der Arktis und für die Freilassung ihrer in Russland inhaftierten Kollegen protestiert. In Berlin ketteten sich zwei Greenpeace-Mitglieder an eine Erdgas-Tanksäule, vier kletterten auf das Dach der Tankstelle, wie die Organisation mitteilte. Nach Angaben von Greenpeace gab es am Mittwoch Proteste an 23 Tankstellen bundesweit.
Wie die Umweltschutzorganisation weiter mitteilte, hat nun zwei Wochen nach dem spektakulären Greenpeace-Protest in der Arktis die russische Justiz mehrere Verhaftete als Piraten angeklagt. Ermittler in der Stadt Murmansk leiteten wegen bandenmäßiger Piraterie offiziell Verfahren gegen zunächst 14 der insgesamt 30 Crewmitglieder des Aktionsschiffs „Arctic Sunrise“ ein. Den Umweltschützern drohen bis zu 15 Jahre Haft. Von russischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme.

Die Beschuldigten hatten versucht, auf die Ölplattform „Priraslomnaja“ des Staatskonzerns Gazprom in der Petschorasee zu gelangen. Nach eigenen Angaben wollten sie dort ein Transparent befestigen. Greenpeace wirft Gazprom vor, mit Bohrungen das Ökosystem der äußerst sensiblen Arktis mit einzigartiger Tier- und Pflanzenwelt zu gefährden.

Die Umweltorganisation wies die Vorwürfe der russischen Justiz am Mittwoch als „unzutreffend, unbegründet und illegal“ zurück. Greenpeace-Direktor Kumi Naidoo sprach in einer Mitteilung von der „schwersten Bedrohung des friedlichen Umweltprotests“ seit der Versenkung des Aktionsschiffs „Rainbow Warrior“ in Auckland 1985 durch französische Geheimagenten.
Zu der Verhandlung in der Hafenstadt Murmansk seien nur die Anwälte zugelassen worden, sagte eine Greenpeace-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Sie erwartete, dass die Anklageerhebung an diesem Donnerstag fortgesetzt werde. Kremlchef Wladimir Putin hatte betont, die Greenpeace-Leute aus insgesamt 18 Ländern hätten zwar gegen internationales Recht verstoßen. Sie seien aber keine Piraten.
Einer der Angeklagten ist der britische Videoreporter Kieron Bryan. Er sollte die Protestfahrt des Schiffs „Arctic Sunrise“ im Nordpolarmeer dokumentieren. Auch der russische Pressefotograf Denis Sinjakow sitzt wegen der Aktion in Untersuchungshaft. Deutsche waren nicht an Bord der „Arctic Sunrise“.
Russische Sicherheitskräfte hatten das Schiff am 19. September in der Petschorasee geentert und nach Murmansk geschleppt. Zuvor hatten Aktivisten versucht, auf die Ölplattform „Priraslomnaja“ des Staatsunternehmens Gazprom zu gelangen. Nach eigenen Angaben wollten sie dort ein Transparent befestigen.
Nach Ansicht der Umweltschützer hätte ein Leck bei den Ölbohrungen katastrophale Folgen für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der noch weitgehend unberührten Region. Dort wird etwa ein Viertel der globalen Öl- und Gasvorräte vermutet.
Weltweit protestierten nach Greenpeace-Angaben bislang mehr als 775 000 Menschen in Schreiben an russische Botschaften gegen das Vorgehen der Behörden. Die Bundesregierung hatte sich besorgt über das Vorgehen der russischen Justiz gezeigt.

Am Dienstagabend protestierten vor dem Champions-League-Spiel zwischen dem FC Basel und Schalke 04 in Basel Greenpeace-Aktivisten ebenfalls gegen die russischen Bohrungen in der Arktis und den Schalke-Sponsor Gazprom. Die Mitglieder der Umweltschutzorganisation seilten sich in der 5. Spielminute vom Dach des Stadions mit einem riesigen Transparent ab. Das Spiel wurde für etwa fünf Minuten unterbrochen, zuvor hatten die Aktivisten ihre Aktion völlig unbehelligt von Sicherheitskräften vorbereiten können. Dem FC Basel droht jetzt eine Strafe durch die Europäische Fußball-Union (UEFA). dpa

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

7 Kommentare

Neuester Kommentar