Politik : Greenpeace-Experte Smid über die Umweltpolitik von Rot-Grün

Kommen die Maßnahmen der B,esregierung geg

Karsten Smid (41) arbeitet seit neun Jahren für Greenpeace. Der Diplom-Ingenieur ist Verkehrsexperte.

Kommen die Maßnahmen der Bundesregierung gegen den Sommersmog zu spät?

Das Schlimme ist, dass es eigentlich gar keine Maßnahmen sind. Es ist gar kein Aktionsprogramm. Wir brauchen aber kurzfristige Maßnahmen gegen die aktuellen Ozonspitzenwerte, Maßnahmen gegen diese gesundheitsgefährdenden Spitzen. Langfristige Maßnahmen gibt es bereits seit zehn Jahren, und diese Maßnahmen haben nicht zur erhofften Reduktion geführt. Das alte Ozongesetz der von der Union geführten Bundesregierung war bis Ende 1999 gültig, weil man geglaubt hatte, bis zu diesem Zeitpunkt hätten die langfristigen Maßnahmen gegriffen. Die letzten Ozonwerte im Mai lagen bei bis zu 230 Mikrogramm in Essen, was zeigt, dass wir Sofortmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit unserer Kinder brauchen.

Können Sie denn auch positive Ansätze des jetzigen Katalogs ausmachen?

Es ist ja keine Frage, dass wir dauerhafte Maßnahmen brauchen. Nur reichen diese allein nicht aus. Das ist die Kritik.

Tempolimit und Fahrverbote wird es nicht geben. Überrascht Sie das bei einem grünen Umweltminister?

Wir sind nicht nur überrascht. Sondern sauer. Trittin gibt eine klägliche Figur ab. Im letzten Jahr hat er einer Delegation von Greenpeace-Kindern, die über 100 000 Unterschriften zur Verschärfung des Ozongesetzes gesammelt haben, zugesagt, ein verschärftes Ozongesetz einführen zu wollen.

Mit Verboten ist es so eine Sache. Wie kann man denn Umweltpolitik wieder interessant machen? Anscheinend haben die Grünen aufgegeben, was raten Sie denen?

Es muss klar sein, dass solche Maßnahmen, die man trifft, die Ozonwerte auch runterbringen. Für Eltern und Kinder muss sichtbar sein, dass es wirklich zu einer Reduzierung kommt. Das können Fahrverbote für Autos leisten, die keinen Katalysator haben. Die Verbote müssen nur frühzeitig ausgesprochen werden. Es kann ja nicht angehen, dass die Mütter ihren Kindern verbieten müssen, draußen zu spielen, weil die Ozonwerte so hoch sind. Und die Autos fahren weiter. Wer soll das verstehen? Bei Fahrverboten hätte die Automobilindustrie mitgezogen, weil sie neue Autos mit neuester Abgasreinigungstechnik hätte verkaufen können. Trittin hat 1999 auf das falsche Pferd gesetzt, weil er das Reizwort Tempolimit betont und nicht mit dem Verkehrsministerium über Fahrverbote von Fahrzeugen ohne Katalysator verhandelt hat.

Was würden Sie tun?

Wir fordern ein Fahrverbot für alle Fahrzeuge ohne Katalysator ab 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft. Denn das ist der Wert, ab dem ernsthafte Gesundheitsschädigungen bei Kindern beobachtet werden. Das Interview führte Armin Lehmann.

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