Politik : Greenpeace: "Ohne spektakuläre Aktionen hört uns keiner mehr zu" (Interview)

Greenpeace international hat angekündigt[wel]

Greenpeace international hat angekündigt, weltweit mehr Gewicht auf konstruktive Kampagnen legen zu wollen. Ist das der Abschied vom spektakulären Protest, für den Greenpeace bekannt ist?

Nein. Wir haben diese strategische Änderung in Deutschland schon Anfang der 90er Jahre vorgenommen. Damals ging es um die Einführung des ersten chlorfreien Papiers für Offestdruck. Dann kam der FCKW-freie Kühlschrank 1994, 1996 das Drei-Liter-Auto. Aber wir werden parallel dazu weiter Aktionen machen. Denn wenn wir keine spektakulären Aktionen veranstalten und nur noch Lösungen anbieten, dann hört uns keiner mehr zu. Industrie und Politik machen sich über unsere Forderungen nur Gedanken, wenn wir sie unter Druck setzen.

Dennoch ist die Zahl Ihrer Förderer in Deutschland im vergangenen Jahr kräftig gefallen. Wieso?

Wir haben im vergangenen Jahr 20 000 Unterstützer von rund 530 000 verloren. Einer der Gründe dafür ist, dass eines unserer großen Themen, das Atomthema, in der Öffentlichkeit als erledigt angesehen wird. Ungefähr 30 bis 40 Prozent unserer Medienpräsenz hatten wir dem Atomthema zu verdanken. Jetzt hat die rot-grüne Regierung einen Atomkonsens herbeigeführt, der uns zwar nicht ausreicht, aber der in der Öffentlichkeit als Lösung gesehen wird.

Wie wollen Sie in Deutschland auf die gesunkene Unterstützung reagieren? Welche Schwerpunkte soll künftig die Arbeit in Deutschland haben?

Da in Deutschland mehr und mehr sichtbare Probleme gelöst sind - außer dem Verkehrsproblem - konzentrieren wir uns zunehmend auf internationale Themen. Wir haben eine Kampagne zum Thema Ölverschmutzung in Sibirien begonnen, zum Thema Patentierung auf Leben, wir arbeiten verstärkt zur Gentechnik in Futtermitteln, und Greenpeace Deutschland war sehr stark an einer Kampagne zum Thema Verschmutzung in La Hague beteiligt.

Und damit lässt sich das Thema Atom wirklich kompensieren?

Ja. Wir haben in den vergangenen Monaten unsere Medienpräsenz spürbar verstärken können. Und auch bei den Spendern und Förderern wurde der Abwärtstrend des vergangenen Jahres gestoppt. Im ersten Halbjahr 2000 ist die Zahl stabil geblieben.

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