Politik : Greenpeace sieht das Ende des Kabeljaus

Nina C. Zimmermann

Berlin - Umweltschutzorganisationen haben die Entscheidung der EU-Fischereiminister heftig kritisiert, in der Nordsee auch künftig keine Sperrzonen für den Kabeljaufang einzurichten. Greenpeace-Fischereiexperte Thilo Maack sagte dem Tagesspiegel, es sei „wieder eine Chance vertan worden, die Fischbestände und die Meeresumwelt zu schützen“. Maack befürchtet nun, dass der Kabeljau bald „als kommerzielle Art ausgestorben“ sein wird. Auch Stefanie Schmidt vom Fachbereich Meere und Küsten des World Wildlife Fund (WWF) äußerte sich enttäuscht. „Es ist sehr schade, dass es keine fangfreien Gebiete in der Nordsee gibt“, sagte sie. Es zeichne sich ab, dass es den europäischen Fischern bald so gehen werde wie vor 20 Jahren den kanadischen. Damals seien dort die Kabeljaubestände wegen Überfischung zusammengebrochen und hätten sich bis heute nicht erholt.

Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon hatten sich die EU-Fischereiminister am Mittwochmorgen in Brüssel nur auf weitere Einschränkungen des Kabeljaufangs in der Ostsee und westlich von Schottland geeinigt. Hier wie bei den Fangquoten für andere Fischarten blieben die Beschlüsse der Minister aber weit hinter den ursprünglichen Plänen der EU-Kommission zurück. Die EU-Staaten beschlossen, die Anzahl der Tage, an denen Nordseekabeljau gefischt werden darf, von zehn auf neun Tage im Monat zu reduzieren. Nach Ansicht von Greenpeace nütze dies wegen unzureichender Kontrollen aber nichts.

Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) räumte ein, sie habe sich von den Verhandlungen mehr erhofft. Deutschland habe – wie ursprünglich die EU-Kommission – vor allem auf großflächige Gebietsschließungen gesetzt. „Leider wurden wir dabei von keinem Mitgliedstaat unterstützt“, sagte die Ministerin in Brüssel. Den Beschluss habe sie dennoch unterstützt, weil darin Verbesserungen vorgesehen seien, die zu einer ökologisch verträglicheren Fischerei führen sollen.

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