Greenpeace-Studie : Deutscher Biodiesel zerstört Urwälder

Greenpeace fordert von der Bundesregierung einen Stopp der Beimischung von Biodiesel zu herkömmlichem Diesel. Der Grund: Deutscher Diesel zerstört Urwälder und heizt den Klimawandel an.

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Greenpeace warnt vor Biodiesel: Urwälder sind in Gefahr. -Foto: dpa

BerlinDeutscher Diesel ist nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace weitaus umweltschädlicher als bisher angenommen. "Biosprit beigemischt in Diesel ist eine immense Umweltgefahr, ist überhaupt kein Klimaschutz“, sagte Greenpeace-Agrarexperte Alexander Hissting am Mittwoch in Berlin.

Eine Analyse hat ergeben, dass der beigemischte Pflanzen-Diesel nicht nur aus heimischem Rapsöl, sondern zu fast 20 Prozent aus Sojaöl gewonnen werde. Die dafür verwendeten Sojabohnen würden vor allem in Südamerika angebaut, wo für neue Plantagen riesige Urwaldgebiete gerodet würden. Greenpeace stützt sich auf die Untersuchung von bundesweiten Diesel-Proben an Tankstellen der drei großen Mineralölkonzerne Shell, Esso und Aral. Derzeit betrage die Beimischungsquote von Biodiesel 4,4 Prozent, von denen durchschnittlich ein Fünftel aus importierten Sojabohnen gewonnen werde.

"Wer das Klima schützen will, muss die letzten Urwälder schützen", forderte Hissting. Er nannte die Beimischungsquote einen Irrtum. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass es 319 Jahre dauern würde, bis der Einsatz von Sojadiesel die Menge an Treibhausgasen eingespart habe, die durch eine Abholzung des Amazonas für die Sojaplantage zuvor freigesetzt worden sei.

Kritik geht an Bundesregierung

Greenpeace kritisierte in diesem Zusammenhang scharf die Politik der Bundesregierung. Durch ihre Pläne zur Beimischung von Biodiesel zwinge sie deutsche Autofahrer, den Urwald in  Südamerika zu zerstören, erklärte Hissting. "Setzt sich die Bundesregierung mit ihrer  Politik durch, wird künftig noch mehr Wald dem Agro-Sprit zum Opfer fallen", kritisierte er mit Blick auf Pläne für eine höhere Beimischquote.

Sollte die Regierung wie geplant den Anteil von Biodiesel bis 2020 auf 17 Prozent erhöhen, müssten nach Greenpeace-Berechnungen zusätzlich 4,9 Milliarden Liter Soja-Diesel im Jahr importiert werden. Denn der Rapsanbau in Deutschland sei bereits an seine Grenzen gestoßen. Dies entspreche einer Anbaufläche von 9,8 Millionen Hektar.

"Wir fordern ganz klar eine Abschaffung der Beimischungsverordnung", sagte Hissting. Stattdessen solle ein Tempolimit eingeführt und die Autoindustrie zum Umdenken hin zu leichteren und sparsameren Autos bewegt werden, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Nachhaltig gewonnene Energiepflanzen sollten auf keinen Fall im Autotank landen, sondern zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden. (sgo/dpa/AFP)

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