Politik : Greift Saddam jetzt an?

Alliierte berichten von auffälligen Truppenbewegungen / Blair: In Basra Aufstände gegen den Diktator

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Bagdad (Tsp). Eine Woche nach Kriegsbeginn hat sich der Vormarsch der alliierten Truppen auf die irakische Hauptstadt Bagdad offenbar verlangsamt. Der Irak sprach sogar davon, er sei gestoppt. Während die vordersten Einheiten der USInfanterie rund 80 Kilometer vor Bagdad stehen, konzentrierten sich die Alliierten am Mittwoch darauf, gegen den anhaltenden Widerstand der Iraker in der Landesmitte sowie in der südlichen Stadt Basra vorzugehen. Großbritanniens Premier Tony Blair sagte, es habe Aufstände gegen Iraks Machthaber Saddam Hussein in der Stadt gegeben. Arabische Medien berichteten dagegen, in der Stadt sei es ruhig.

Gleichzeitig gab es erste Hinweise auf eine mögliche irakische Gegenoffensive. Amerikanische Aufklärer meldeten Truppenbewegungen eines Konvois von 1000 Fahrzeugen mit rund 5000 Soldaten der Republikanischen Garden, wie Offiziere der Marine-Infanteristen mitteilten. Die Truppen der Elite-Einheit von Staatschef Saddam Hussein sollen sich demnach auf die am Euphrat gelegene Stadt Nassirijah zu bewegen, wo sich die Kriegsparteien seit Tagen heftige Kämpfe liefern. Die Militärführung im alliierten Hauptquartier in Katar bestätigte diese Angaben zunächst nicht.

Bei einem Raketenangriff auf Bagdad kamen am Mittwoch nach irakischen Angaben 14 Menschen ums Leben, 30 sollen verletzt worden sein. Zwei Marschflugkörper seien im nördlichen Stadtteil Al Schaab eingeschlagen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Dort gibt es zahlreiche Wohnhäuser und Geschäfte. Wie das US-Zentralkommando in Katar mitteilte, sei zu dieser Zeit eine Luftabwehrstellung in einem Bagdader Wohngebiet unter Feuer genommen worden. General Stanley McChrystal betonte im Pentagon, dass im betroffenen Al-Schaab-Bezirk kein Ziel angegriffen worden sei.

In der Nähe der Stadt Nadschaf lieferten sich Einheiten des 7. Kavallerieregiments der US-Streitkräfte am Mittwoch erbitterte Gefechte mit irakischen Kräften. Dabei kamen nach Angaben von US-Offizieren bis zu 500 irakische Soldaten ums Leben. Im äußersten Süden tobten weiter heftige Artilleriegefechte zwischen britischen Truppen und etwa 1000 irakischen Milizionären.

Die Lage in der von alliierten Truppen eingeschlossenen Stadt Basra war unklar. Der britische Premierminister Tony Blair sprach von einem „Aufstand in begrenzter Form“. Dagegen berichtete der Sender Al Dschasira, der ein eigenes Team in der südirakischen Großstadt hat, es gebe keine Anzeichen einer Rebellion. Auch der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahaf dementierte die Aufstandsmeldungen. Die britischen Truppen, die Basra eingeschlossen haben, warten nach Angaben eines Militärsprechers auf den besten Moment, in die Stadt einzurücken. „Es gibt nur ein Ziel: Wir müssen die Stadt im Interesse der Bevölkerung befreien“, sagte der Sprecher. Großbritanniens Premier Blair und US-Präsident George W. Bush wollen unterdessen eine erste Bilanz des Krieges ziehen. Blair flog am Mittwoch nach Washington, um mit Bush zusammenzutreffen.

Der Vormarsch der Alliierten auf Bagdad ist nach Angaben der irakischen Führung am Dienstag zumindest vorläufig gestoppt worden. „Sie bewegen sich nicht mehr vorwärts, und wir haben sie in der vergangenen Nacht und heute Morgen angegriffen“, sagte Informationsminister Al Sahaf am Mittwoch in Bagdad.

Das Pentagon prüft Berichte, nach denen am Sonntag in Nassirijah mehrere US-Soldaten zunächst gefangen genommen und dann hingerichtet worden sein sollen. Wie der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Ministeriumsquellen weiter meldete, gebe es Hinweise darauf, dass die Männer beim Wenden ihres Fahrzeuges in eine Falle gerieten, sich mit erhobenen Händen ergaben und dann erschossen worden seien.

Der UN-Sicherheitsrat in New York sollte am Mittwoch über die Anpassung des Programms „Öl für Lebensmittel“ für den Irak beraten, durch das humanitäre Hilfe für die Bevölkerung in dem Kriegsgebiet geleistet werden soll. Der Vorsitzende des Irak-Sanktionsausschusses, der deutsche UN-Botschafter Gunter Pleuger, sei vom Sicherheitsrat gebeten worden, diese Anpassung des Programms in die Wege zu leiten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin. Ziel sei es, eine Resolution vorzubereiten, die dann einstimmig im Sicherheitsrat verabschiedet werden könnte.

Bundeskanzler Gerhard Schröder will vor Ende des Golfkriegs nicht mit der Opposition über ein Entsendegesetz für Einheiten der Bundeswehr verhandeln. Schröder sagte am Mittwoch in Berlin, mit der Awacs-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gebe es jetzt eine klare Grundlage für das Handeln der Bundesregierung. Union und FDP dringen aber weiter darauf, die Kompetenzen von Regierung und Parlament bei Auslandseinsätzen abzugrenzen.

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