• Grenzüberschreitender Protest : 90 Kilometer lange Menschenkette für Abschaltung belgischer Atommeiler

Grenzüberschreitender Protest : 90 Kilometer lange Menschenkette für Abschaltung belgischer Atommeiler

Die belgischen Atomkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 sind wegen Sicherheitsmängeln umstritten. Zehntausende demonstrierten am Sonntag grenzüberschreitend für die Abschaltung.

Protest mit dem Namen "Kettenreaktion" vor dem Atomkraftwerk Tihange (Belgien).
Protest mit dem Namen "Kettenreaktion" vor dem Atomkraftwerk Tihange (Belgien).Foto: dpa/Anthony Dehez/BELGA

Mit einer grenzüberschreitenden Menschenkette haben am Sonntag nach Angaben der Veranstalter rund 50.000 Menschen für die sofortige Abschaltung zweier belgischer Atommeiler demonstriert. Die 90 Kilometer lange Kette reichte demnach von Aachen über das niederländische Maastricht und Lüttich in Belgien bis nach Tihange, wo eines der Kernkraftwerke steht. Von Seiten der Behörden gab es zunächst keine Angaben zur Teilnehmerzahl.

"Wir bedanken uns ganz herzlich bei 50.000 TeilnehmerInnen", schrieb die grenzüberschreitende Initiative "Stop Tihange" im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Protest unter dem Motto "Kettenreaktion Tihange" richtete sich gegen die wegen Sicherheitsmängeln umstrittenen Atomkraftwerke Tihange 2 bei Lüttich und Doel 3 bei Antwerpen. Es sei "unverständlich" und "inakzeptabel", dass die belgische Regierung den Weiterbetrieb der Kraftwerke genehmigt habe, erklärten die Gegner.

Neue NRW-Regierung will sich für Abschaltung einsetzen

Für die endgültige Abschaltung der beiden Atommeiler macht sich seit geraumer Zeit ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Bürgern, Kommunen und Politik stark. Belgien plant, bis 2025 ganz aus der Atomenergie auszusteigen. Ursprünglich sollten die Reaktorblöcke Tihange 1 sowie Doel 1 und 2 schon 2015 stillgelegt werden, die Laufzeiten wurden jedoch von der Atombehörde des Landes um zehn Jahre verlängert.

Zu den Unterstützern der Menschenkette vom Sonntag zählte auch Nordrhein-Westfalens designierter Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). "Die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 sorgen immer wieder für negative Schlagzeilen", erklärte Laschet im Vorfeld. "Vor allem die Menschen in der gemeinsamen Grenzregion Nordrhein-Westfalen - Niederlande - Belgien sorgen sich angesichts der eklatanten Sicherheitsmängel um ihre Gesundheit".

Zugleich kündigte Laschet an, die künftige schwarz-gelbe Landesregierung in Nordhein-Westfalen werde sich mit Nachdruck für die Abschaltung der Atomkraftwerke in Tihange und Doel einsetzen. "Wir erwarten, dass auch der Bund stärker als bisher auf die belgische Regierung einwirkt und auf eine Stilllegung der Reaktoren dringt." (AFP)

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