Griechenland : Am härtesten trifft es die kleinen Firmen

Griechenland mangelt es an Großindustrie – kleine Unternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft. Wie verkraften sie bisher die Krise?

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Die schwere Rezession in Griechenland, der strikte Sparkurs und die Liquiditätsklemme im Bankensystem zwingen immer mehr Firmen in die Knie. Vor allem kleinere griechische Unternehmen, deren Anteil an der Bruttowertschöpfung in Griechenland überdurchschnittlich hoch ist, spüren die Krise. Das zeigt eine Umfrage des Verbands der griechischen Kleinunternehmen unter seinen Mitgliedern. Jeder vierte Unternehmer fürchtet, dass er im Verlauf der Krise pleitegehen wird. Bei einer Gesamtzahl von 740 000 Kleinunternehmen, die es in Griechenland gibt, entspräche das 185 000 Insolvenzen. 11 000 Unternehmer äußerten die Sorge, dass sie bereits im dritten Quartal dichtmachen müssen. 67 000 rechnen im Verlauf der kommenden zwölf Monate mit der Insolvenz.

Besonders hart trifft die Krise den griechischen Einzelhandel. Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes ESEE sind die durchschnittlichen Umsätze pro Unternehmen seit Beginn der Krise 2009 von 425 329 Euro auf 309 887 Euro im Jahr 2011 zurückgegangen. In den beiden vergangenen Jahren mussten jeweils rund 65 000 Einzelhändler Konkurs anmelden.

Diese schlechten Erwartungen treffen auch die Mitarbeiter hart: Sechs von zehn Kleinunternehmern erwarten, dass sie in den kommenden Monaten Personal abbauen müssen. Jeder zweite Firmenchef hat nach eigenen Angaben Schwierigkeiten, Löhne und Gehälter pünktlich zu zahlen. Jedes dritte Kleinunternehmen schuldet Mieten und ist mit den Strom-, Telefon- und Wasserrechnungen im Rückstand. Knapp 40 Prozent der Firmenchefs sagen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, Sozialversicherungsbeiträge für ihre Beschäftigten zu zahlen. Drei von vier Unternehmern erklärten, dass sie ihre Firmen nur noch über Wasser halten können, weil sie ihre persönlichen Ersparnisse einsetzen. Fast zwei Drittel der Befragten erwarten für den Rest des Jahres weiter sinkende Umsätze.

Die jüngsten Wahlen und die Bildung einer Koalitionsregierung unter der Führung des konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras haben die schlechte Stimmung nicht heben können. Nur knapp ein Drittel der Befragten blickt nach eigener Aussage jetzt „mit mehr Zuversicht“ in die Zukunft, knapp 34 Prozent bleiben pessimistisch. Bei dem restlichen Drittel halten sich Skepsis und Zuversicht die Waage. Das entspricht etwa den Werten, die schon vor der Wahl ermittelt wurden.

Ein großes Problem der griechischen Unternehmen ist, dass sie wegen der Liquiditätsprobleme der Banken kaum noch Kredite bekommen. Die Banken haben vielen Firmen sogar die Kreditlinien für die Finanzierung der laufenden Produktion gestrichen. Jetzt hofft Griechenland auf die Hilfe von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Sie will angeschlagenen griechischen Firmen mit Krediten im Gesamtumfang von 1,44 Milliarden Euro beistehen. Das kündigte diese Woche der griechische Finanzminister Giannis Stournaras nach einem Treffen mit EIB-Chef Werner Hoyer an. Die Kredite sollen in den kommenden drei Jahren an kleine und mittelgroße Unternehmen vergeben werden.

Die anhaltende Krise macht aber nicht nur der Wirtschaft Sorgen, auch Privatleute versuchen, ihr Vermögen irgendwie vor der Krise zu retten. Sie heben deshalb weiter große Mengen Geld von den Banken des Landes ab. Die Einlagen des Privatsektors verringerten sich nach am Donnerstag von der EZB veröffentlichten Daten im Juni um fast fünf Prozent. Ebenso stark waren sie im Mai zurückgegangen. Die Einlagen betrugen Ende Juni demnach insgesamt 156,2 Milliarden Euro nach 164,1 Milliarden Euro im Vormonat. Dies ist der niedrigste Stand seit mehr als sechs Jahren.

Dieses Abhebeverhalten wiederum macht den Banken Probleme. Denn der Abfluss schwächt das durch die Schuldenkrise angeschlagene Bankensystem des Landes weiter. Die griechische Notenbank hatte im Gegensatz zur EZB erklärt, der Geldstrom sei im Juni und Juli umgekehrt worden. mit rtr

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