Griechenland : Athen will an die Konten in der Schweiz kommen

Betuchte Griechen bunkern Geld in der Schweiz. Athen will nun an die Schwarzkonten kommen. Dass das nicht längst geschehen ist, liegt an der Bürokratie der griechischen Regierung und ihren Unwillen, zügig zu handeln.

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Griechische Fähnlein. Foto: Reuters
Griechische Fähnlein.Foto: Reuters

Während die pleitebedrohte Regierung in Athen händeringend nach Geld sucht, liegen auf Schweizer Konten üppige Beträge aus Griechenland. Für betuchte Griechen gilt die Schweiz seit Jahrzehnten als sicherer Hafen. Bei Banken in Zürich, Genf und Lugano ließ sich unkompliziert Geld bunkern, darunter viel Schwarzgeld. „Die Schweizer Banken scherten sich nicht, woher das Geld kam. Hauptsache es kam zu ihnen“, erklärt Jean Ziegler, Soziologe und Kritiker des Finanzplatzes Schweiz.

Einer der prominentesten Hellenen, der die Vorzüge der Schweiz genoss, war der Großreeder Stavros Niarchos, der in seiner Glanzzeit zu den reichsten Menschen der Welt gehörte. Er brachte große Teile seines Vermögens nach Helvetien, lebte in den neunziger Jahren in Sankt Moritz und starb in Zürich. Wie viel unversteuertes Geld aus Griechenland in der Schweiz liegt, ist schwer zu ermitteln. Die Schätzungen beginnen bei mehreren Milliarden Euro. Der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider von der Universität Linz beziffert die Summe des griechischen Geldes in der Schweiz sogar auf „mindestens 80 Milliarden Euro“. Rund zwei Drittel davon seien Schwarzgeld, sagte er der Deutschen Presse Agentur.

Warum verlangt die griechische Regierung das Geld nicht zurück? Noch existiert kein Steuerabkommen zwischen Bern und Athen, ein solches Abkommen wäre die Grundlage für die Forderungen. Der Abschluss eines Vertrages wäre für Griechenland die „schnellste und effizienteste“ Maßnahme, an das Geld zu kommen, erklärt der Ökonom Schneider. Rund zehn bis 15 Milliarden Euro könnten nach Athen fließen.

Die Schweiz steht seit 2012 bereit, ein Steuerabkommen zu verhandeln, aber Athen hat es bisher nicht geschafft

Die Regierung des linksgerichteten Premierministers Alexis Tsipras empfing im März eine Delegation aus der Eidgenossenschaft – nach einem Jahr Verhandlungspause. Der Staatssekretär für internationale Finanzfragen aus Bern, Jacques de Watteville, diskutierte mit seinen griechischen Partnern die Einführung des automatischen Austauschs von Bank-Daten und -Informationen. Der Austausch soll ab 2017/2018 zwischen der Schweiz und den EU-Staaten gelten, also auch Griechenland. Ende April wollen sich Bern und Athen wieder zusammensetzen.

Die Schweizer Regierung hatte im November 2012 ein Verhandlungsmandat für ein Steuerabkommen mit Griechenland beschlossen. Doch kamen die Gespräche lange Zeit nicht in Schwung: Die Bürokratie der Griechen, die Regierungswechsel in Athen und nicht erfüllbare Forderungen, wie etwa eine Milliarden-Vorauszahlung durch Bern, erwiesen sich als Bremsklötze. Nach einigem Zögern zu Beginn ihrer Amtszeit scheint die Regierung Tsipras jetzt gegenüber der Schweiz aufs Tempo zu drücken. Je mehr sich die Finanzkrise des Staates zuspitzt, desto energischer könnte Athen ein Abkommen anstreben.

Und auch in der Schweiz erhöht sich der Druck auf die Regierung. So drängen linke Parteien und die größte Gewerkschaft des Landes, die Unia, das Kabinett in Bern, sich mit der neuen Koalition in Athen zu einigen. Es gelte „die Steuerhinterziehung wirksam und rasch zu bekämpfen“.


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