Griechenland-Krise im Bundestag : Warum Karl-Georg Wellmann mit Ja stimmen will

Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann beschreibt, warum er am Mittwoch im Bundestag dem dritten Hilfspaket für Griechenland zustimmen wird.

Karl-Georg Wellmann
Karl-Georg Wellmann (CDU), Berliner Bundestagsabgeordneter.
Karl-Georg Wellmann (CDU), Berliner Bundestagsabgeordneter.Foto: IMAGO

Zustimmen oder nicht? Am Mittwoch werden zahlreiche Bundestagsabgeordnete der Union das dritte Hilfspaket für Griechenland ablehnen. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann erklärt in einer Stellungnahme, warum er zustimmen wird:

"Wie soll man sich nun entscheiden am Mittwoch? Dem Gefühl, oder einem Bestrafungsimpuls nachgeben und den Griechen nicht noch einmal helfen? Damit sie mal sehen, wie weit sie mit ihren Sprüchen kommen? Oder wie Goethe „das Land der Griechen mit der Seele suchen“ und ihnen wegen der schönen Urlaubserinnerungen Geld geben? Beides nicht, sondern wir sollten bei der Entscheidung schlichtweg an unsere deutschen Interessen denken. Wir sind politisch und ökonomisch der große Nutznießer der europäischen Integration. Unser Wohlstand und Millionen von deutschen Arbeitsplätzen hängen direkt davon ab. Ohne Europa keine Wiedervereinigung – und kein erweitertes Europa nach 1990 ohne ein geeintes Deutschland. Auch unsere Sicherheit hängt ganz offensichtlich von den Verhältnissen in Europa ab. Das sollte eigentlich jeder wissen, der sich auch nur oberflächlich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt hat. Und für die europäischen Verhältnisse sind nicht irgendwelche anderen zuständig, sondern wir selbst. Deutschland ist zur Macht der Mitte geworden, wie der Historiker Herfried Münkler schreibt. Wir sind für den Zusammenhalt Europas verantwortlich, zusammen mit Polen und Frankreich, und wir müssen dafür sorgen, dass die Probleme der Peripherie Europa nicht zerreißen, mit unabsehbaren politischen und wirtschaftlichen Folgen. Der alte Kohl wusste, warum die Osterweiterung der EU nach 1990 für Europa existentiell wichtig war. Damit in unserer Nachbarschaft Stabilität und Wohlstand Einzug hält, und keine Zone der Armut und politischer Unruhe, in der andere Mächte um Einfluss kämpfen. Dies gilt auch heute, denn die Zustände auf dem Balkan, in der Ukraine, in Russland und in Griechenland sind für uns gefährlich genug. Deshalb ist es auch in deutschem Interesse, in diese Regionen zu investieren. Die internationale Gemeinschaft hat Griechenland eine Rosskur verordnet, deren Befolgung quälend genau überwacht werden wird. Unter dieser Bedingung und mit Blick auf deutsche Interessen ist es richtig, am Mittwoch für weitere Hilfen zu stimmen."

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