Griechenland : Papandreou hofft auf Rückkehr

Griechenlands früherer Premier klammert sich an den Parteivorsitz der Pasok, doch die Politikdynastie seiner Familie kommt an ihr Ende.

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Vor vier Wochen musste Giorgos Papandreou das Amtszimmer des griechischen Regierungschefs in der Athener Villa Maximos räumen, nachdem er mit der Ankündigung einer Volksabstimmung über Griechenlands Verbleib in der Euro-Zone die ausländischen Partner brüskiert und sich selbst ins politische Abseits manövriert hatte. Neuer Premier wurde Lukas Papademos. Während der parteilose Finanzfachmann den drohenden Staatsbankrott abzuwenden versucht, hält Papandreou am Vorsitz der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) fest – und hofft offenbar auf eine Rückkehr an die Macht.

Doch einige Genossen sägen bereits kräftig an seinem Stuhl. Papandreou könne die Partei nicht länger repräsentieren, er habe sich beim Wähler unglaubwürdig gemacht und das internationale Ansehen seines Landes verspielt, erklärte Entwicklungsminister Michalis Chrysochoidis jüngst: „Er muss gehen“. Tags darauf unterzeichneten zwölf Pasok-Abgeordnete einen gemeinsamen Brief, mit dem sie Papandreou zum Rücktritt vom Parteivorsitz auffordern. In Meinungsumfragen ist die Pasok, die bei den Wahlen im Oktober 2009 noch stolze 44 Prozent der Stimmen erzielte, auf unter 20 Prozent abgesackt. „Die Partei muss mit einer neuen Führung und neuen politischen Ideen in die nächsten Wahlen gehen“, fordert der Rebell Chrysochoidis. An Genossen, die sich für geeignet halten, Papandreous Nachfolge anzutreten, ist kein Mangel. Chrysochoidis meldete schon vor einigen Wochen Anspruch auf den Parteivorsitz an. Als Favorit für die Papandreou-Nachfolge gilt allerdings der schwergewichtige und wortgewaltige Finanzminister Evangelos Venizelos. Auch der früheren EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou werden Chancen eingeräumt. Der, um den es geht, hüllt sich in Schweigen. Aus Papandreous Umgebung hört man, ein Rücktritt stehe gar nicht zur Debatte.

Die Papandreous sind politische Überlebenskünstler. Andreas Papandreou, der Gründer der Pasok und Vater des heutigen Vorsitzenden, versank 1989 in einem Strudel politischer Skandale und peinlicher persönlicher Affären. Die Griechen wählten ihn ab. Vier Jahre später war er wieder da: Von schwerer Krankheit gezeichnet, gewann der 74-Jährige die Wahlen vom Oktober 1993. Andreas Papandreou, selbst Sohn eines Premierministers, führte die Partei bis zu seinem Tod 1996 im Stil eines unfehlbaren Patriarchen. Die lange verhinderte innerparteiliche Demokratie ist jetzt notwendiger denn je. Die Politikdynastie der Papandreous scheint ohnehin am Ende. Giorgos Sohn Andreas arbeitet als Ökonom in Boston, seine Tochter Margarita-Elena studiert in London Biologie. Aktives Interesse an der Politik haben beide bisher nicht erkennen lassen.

In Athen wurde am Dienstag indes wieder protestiert. Diesmal allerdings nicht gegen die Sparpolitik. Drei Jahre nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel gingen rund 2000 Schüler auf die Straße, um an ihn zu erinnern. Rund 200 Randalierer lösten sich aus der friedlichen Demonstration und bewarfen die Polizei mit Brandflaschen und Steinen, wie das Fernsehen zeigte. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben.

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