GRIECHENLAND : Radikale profitieren von der Krise

Die schwere Wirtschaftskrise in Griechenland treibt radikalen Parteien immer mehr Menschen in die Arme. Ministerpräsident Antonis Samaras warnt bereits vor „Weimarer Verhältnissen“ in seinem Land. Er konnte die Wahlen vom 17. Juni mit seiner konservativen Nea Dimokratia (ND) zwar knapp gewinnen. Würde am Sonntag erneut gewählt, müsste er die Macht aber womöglich abgeben. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage liegt die ND mit 27 Prozent nur noch auf dem zweiten Platz. Stärkste Partei ist in der Umfrage das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) mit 30,5 Prozent. Die kommunistisch angehauchte Partei will große Teile der griechischen Wirtschaft verstaatlichen, verspricht Zehntausende neue Jobs im Staatsdienst und will den Schuldendienst einseitig einstellen. Aber weitaus beunruhigender als der Aufstieg der Syriza zur stärksten Partei ist in den Augen vieler Beobachter das Erstarken der griechischen Rechtsextremisten. Die neofaschistische Partei Goldene Morgenröte ist in der Umfrage drittstärkste Partei. Nachdem sie bei der Wahl vom Juni 6,9 Prozent der Wählerstimmen erzielte, liegt sie nun bereits bei 14 Prozent. Auf Stimmenfang gehen Griechenlands Neonazis vor allem mit rassistischen und ausländerfeindlichen Parolen. Sie umwerben damit Wähler in Stadtvierteln wie der Umgebung des Athener Omoniaplatzes, die in den vergangenen Jahren von immer mehr illegalen Einwanderern überlaufen werden und zu Slums verkommen. Auch mit „sozialem Engagement“ versucht die Goldene Morgenröte Wähler zu ködern. So verteilt die Partei Lebensmittel an Bedürftige – sofern sie sich als Griechen ausweisen können. Migranten bekommen dagegen den Hass der Neonazis zu spüren. Mit Knüppeln bewaffnete Trupps der Partei kontrollieren Wochenmärkte und stellen Händler zur Rede. Entdecken sie Ausländer, die Waren anbieten, zerstören sie deren Verkaufsstände und schlagen die Händler brutal zusammen. Diese Woche kam es zu einem Eklat im Parlament, als Eleni Zaroulia, eine von 18 Abgeordneten der Goldenen Morgenröte und Gattin des „Führers“ der Partei, Nikos Michaloliakos, illegale Einwanderer als „Untermenschen“ bezeichnete, die „in unsere Heimat eingedrungen sind und alle Arten von Krankheiten einschleppen“. öhl

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