Griechenland : Schülerprotest erreicht die Akropolis

Die Schüler- und Studentenproteste in Griechenland haben am Mittwoch das Wahrzeichen der Stadt erreicht, die Akropolis. Eine Gruppe von etwa 60 Jugendlichen verschaffte sich nach einem kurzen Handgemenge mit Antikenwächtern Zugang zum Burgberg.

Gerd Höhler[Athen]
Proteste auf der Akropolis von Athen - "Widerstand"
Widerstand in vier Sprachen. Protest auf der Akropolis.Foto: dpa

Dann entrollten die Jugendlichen von dessen Mauern zwei riesige Stoff-Transparente. Auf dem einen war das Wort „Widerstand“ in griechischer, englischer, französischer, spanischer und deutscher Sprache zu lesen. Mit dem zweiten Transparent erklärten die Demonstranten den heutigen Mittwoch zum „Paneuropäischen Tag der Solidarität“ und riefen zu europaweiten Protesten auf.

Die Transparente an der Nordostseite der Akropolis waren von vielen Punkten der Stadt aus zu sehen. Nach etwa zwei Stunden beendeten die Jugendlichen ihre friedlich verlaufene Besetzung. Im nordgriechischen Ioannina besetzten am Mittwochmorgen Schüler das Rathaus der Stadt. Sie forderten den Rücktritt der konservativen Regierung und die Bestrafung der Täter und „politischen Anstifter“, die für den Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos verantwortlich sind. Der Schüler war vor zwölf Tagen in Athen von einer Polizeikugel getroffen worden. Sein Tod löste schwere Ausschreitungen Tausender vermummter Autonomer in Athen und anderen griechischen Städten aus.

Die genauen Umstände, unter denen der tödliche Schuss fiel, sind immer noch nicht ganz klar. Nach Meldungen des staatlichen griechischen Rundfunks hat die ballistische Untersuchung ergeben, dass der Junge von einem Querschläger getroffen wurde. Der Polizeibeamte habe aber nicht in die Luft gefeuert, wie er selbst behauptet, sondern in Richtung auf das Opfer angelegt.

Vereinzelt kommt es immer noch zu Gewaltakten. In Athen griffen Jugendliche am Mittwoch einen vorbeifahrenden Polizeibus mit Brandflaschen an. Das Fahrzeug brannte völlig aus. Der Fahrer, der allein in dem Bus war, konnte sich unverletzt in Sicherheit bringen. Inzwischen dominieren aber die überwiegend friedlichen Proteste von Schülern und Studenten, die gegen Missstände im Bildungswesen demonstrieren. Jugendliche blockierten am Mittwoch erneut mit Sitzstreiks mehrere Hauptverkehrsstraßen in Athen. Auch für den heutigen Donnerstag sind in der Hauptstadt zwei große Kundgebungen geplant.

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