Griechenland : Wenn „Merkel“ zum Schimpfwort wird

Die Schuldenkrise hat einen Keil zwischen Deutsche und Griechen getrieben. Angela Merkel ist bei den Griechen unbeliebt - ihr Name ist fast ein Schimpfwort - und das deutsch-griechische Verhältnis ist angespannt.

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Auf den Schultern von Bundeskanzlerin Angela Merkel lastet viel Verantwortung. Deutschland spielt die entscheidende Rolle in der Rettung des Euro. Bei den Griechen hat die Kanzlerin sich unbeliebt gemacht. Wie ist die Gemeinschaftswährung aber ins Straucheln gekommen? Ein Rückblick.Alle Bilder anzeigen
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27.09.2011 13:26Auf den Schultern von Bundeskanzlerin Angela Merkel lastet viel Verantwortung. Deutschland spielt die entscheidende Rolle in der...

Ein Supermarkt im Athener Vorort Voula. Die Kassiererin händigt einer Kundin das Wechselgeld aus. Aber da scheint etwas nicht zu stimmen. Die Kundin, an ihrem Akzent unzweideutig als Deutsche zu erkennen, protestiert: Es fehle ein Euro. Es entwickelt sich ein Wortwechsel, an dessen Ende die Kundin auf den Euro verzichtet und genervt den Laden verlässt. „Merkel“, zischt die Kassiererin ihr hinterher.

Der Name der deutschen Kanzlerin: für viele Griechen inzwischen ein Schimpfwort. Angela Merkel ist in Griechenland die bekannteste, aber auch die unbeliebteste deutsche Politikerin. Fast 84 Prozent der Griechen, so eine Umfrage, haben eine negative Meinung von der Kanzlerin. Das schlechte Image färbt ab: Während Deutschland noch 2005 von 78 Prozent der Griechen als beliebtestes Land genannt wurde, liegt es nun weit abgeschlagen bei 29 Prozent. Sogar China, Russland und Indien sind den Hellenen sympathischer. Die Schuldenkrise hat einen Keil zwischen Deutsche und Griechen getrieben. Eine alte Freundschaft zerbricht. Das überschattet auch den Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou, der heute in Berlin von der Bundeskanzlerin zum Abendessen empfangen wird.

Dass ihr Land kurz vor der Pleite steht, kreiden viele Griechen nicht nur den eigenen Regierungen und den gnadenlosen Finanzmärkten, sondern auch Merkel an. Zu lange habe die Kanzlerin im Frühjahr 2010 mit Rücksicht auf innenpolitische Stimmungen und Boulevardmedien Hilfszusagen für Griechenland hinausgezögert und damit die Krise eskalieren lassen, heißt es. „Merkel denkt nur an die nationalen Interessen Deutschlands, sie versteht Europa nicht“, sagt die 23-jährige Athenerin Aliki Apostolatou. Das hänge wohl mit Merkels Herkunft aus der DDR zusammen, vermutet sie. Die Kunststudentin wollte eigentlich für zwei Semester nach München gehen, hat sich jetzt aber für Paris entschieden: „Da werde ich mich akzeptierter fühlen“, glaubt Apostolatou.

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22.02.2012 11:57Was passiert eigentlich, wenn Athen pleite geht?

Griechische Diplomaten meiden selbst in vertraulichen Hintergrundgesprächen jedes kritische Wort über Berlin. Sie werden aber merkwürdig schweigsam, wenn die Unterhaltung auf das deutsch-griechische Verhältnis kommt. Auf die Frage, wie denn das persönliche Verhältnis zwischen Papandreou und Merkel sei, antwortet ein Diplomat: „Es muss gut sein.“ Ist das nun Hoffnung oder Ironie? Viele Griechen, die unter der erniedrigenden Schuldenkrise ihres Landes leiden, fühlen sich von Merkel zusätzlich herabgesetzt. Etwa, als die Kanzlerin forderte, Griechenland das Stimmrecht in der EU zu entziehen. Oder als sie beklagte, dass die Griechen „ganz viel Ferien“ machten, während die Deutschen „ganz viel arbeiten“. Dabei haben die Deutschen nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat 30 Urlaubstage im Jahr, die Griechen hingegen nur 23.

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