Griechenland : Wieder Krawalle in Athen

Griechenland kommt nicht zur Ruhe. Den dritten Tag in Folge lieferten sich am Montag hunderte vermummte Autonome in Athen erbitterte Straßenschlachten mit der Polizei.

Gerd Höhler

Athen - Griechenland kommt nicht zur Ruhe. Den dritten Tag in Folge lieferten sich am Montag hunderte vermummte Autonome in Athen erbitterte Straßenschlachten mit der Polizei. Die Krawalle entwickelten sich am Rande eines zunächst friedlich verlaufenen Demonstrationszuges, der dem Andenken des vor einem Jahr in Athen durch eine Polizeikugel getöteten Schülers Alexis Grigoropoulos, aber auch den chronischen Missständen im griechischen Bildungswesen und der hohen Jugendarbeitslosigkeit galt.

An der Kundgebung nahmen etwa 4000 Menschen teil, überwiegend Schüler und Studenten. Wie schon am Sonntag nutzten Autonome die Kundgebung für Krawalle: Sie mischten sich unter die Demonstranten und griffen die Polizei mit Steinwürfen, Molotowcocktails, Leuchtraketen und Feuerwerkskörpern an. Die Chaoten zertrümmerten Schaufensterscheiben, Bankfilialen, Geldautomaten und Wartehäuschen an Bushaltestellen. Ein Geschäftsinhaber, der seinen Laden zu schützen versuchte, wurde von den Angreifern bewusstlos geschlagen.

Die Polizei antwortete mit massivem Einsatz von Reizgas, das in dichten Schwaden durch die Athener Innenstadt zog. Seit dem Wochenende wurden bereits fast 800 Autonome in Gewahrsam genommen, gegen rund 150 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Nach offiziellen Angaben wurden 16 Polizisten und fünf Demonstranten verletzt.

Die harte Linie, die der Bürgerschutzminister Michalis Chrysochoidis mit dem Motto „Null Toleranz gegenüber Gewalt und Gesetzlosigkeit“ ausgegeben hat, konnte die Krawalle nicht verhindern – wenngleich die Unruhen bisher weit hinter jener beispiellosen Welle der Gewalt zurückbleiben, die viele griechische Städte nach dem Todesschuss auf den 15-Jährigen vor einem Jahr überrollte.

In Athen zeichnete sich am Montagabend eine leichte Entspannung der Lage ab. Rund 6000 Polizeibeamte blieben aber in Alarmbereitschaft. Eine Gruppe Vermummter hielt weiterhin das Gebäude der Technischen Hochschule besetzt. Gerd Höhler

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