Griechenland will Mittelständler fördern : Athen wirbt für Wachstumsfonds

Griechenlands Wirtschaft leidet unter der Kreditklemme. Im Interview wirbt Athens Wirtschaftsminister Costis Hatzidakis für einen hellenischen Wachstumsfonds, der unter anderem private Investoren anlocken und mittelständischen Unternehmen wieder auf die Beine helfen soll. Die Kreditklemme in den EU-Krisenländern beschäftigt am Donnerstag den EU-Gipfel.

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Arbeiter mit Transparent
Protest. Werftarbeiter demonstrieren im Hafen von Piräus gegen die Privatisierungspläne der Regierung.Foto: dpa

Herr Hatzidakis, der EU-Gipfel wird sich vorrangig dem Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit widmen. Wie ernst ist das Problem in Griechenland?
Leider halten wir in der EU den Rekord bei der Jugendarbeitslosigkeit – sie liegt in Griechenland bei rund 60 Prozent. Für uns ist es das Problem Nummer eins. Um es in den Griff zu bekommen, müssen wir unsere Ökonomie so umbauen, dass ein wirtschaftsfreundliches Umfeld entsteht. Daran arbeiten wir.

Costis Hatzidakis ist seit Juni 2012 griechischer Wirtschaftsminister. Er gehört der konservativen Partei Nea Dimokratia von Regierungschef Antonis Samaras an.
Costis Hatzidakis ist seit Juni 2012 griechischer Wirtschaftsminister. Er gehört der konservativen Partei Nea Dimokratia von...Foto: AFP

Nach einer Prognose des Athener Wirtschaftsforschungsinstituts KEPE wird die gesamte Arbeitslosenquote in Griechenland von 28,5 in diesem Jahr auf 30,4 Prozent im Jahr 2014 steigen.
Genau aus diesem Grund müssen wir die Haushaltssanierung mit Wachstumsimpulsen kombinieren. Wir sind entschlossen, die Auflagen der Troika zu erfüllen. Aber wir brauchen nicht nur die Peitsche, sondern auch Zuckerbrot.

Im EU-Budget zwischen 2014 und 2020 sollen sechs Milliarden Euro für den Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit bereitgestellt werden. Reicht das?
Zunächst einmal: Das Geld wird jetzt benötigt, nicht in drei oder fünf Jahren. Deshalb muss die Summe bereits in den Jahren 2014 und 2015 bereitgestellt werden. Darüber hinaus brauchen wir flankierende Maßnahmen, mit denen wir die Kreditklemme der griechischen Wirtschaft beheben. Wir schlagen vor, einen Wachstumsfonds einzurichten. Die griechische Regierung will die Garantie für diesen Fonds übernehmen, der profitabel sein soll und auf die finanzielle Beteiligung von anderen EU-Mitgliedstaaten, Entwicklungsbanken und aus dem Privatsektor setzt. Wir hoffen, dass die deutsche Regierung, die anderen EU-Partner und die europäischen Institutionen diese Idee unterstützen, die vor allem kleineren und mittleren Unternehmen bei der Finanzierung helfen soll.

Wer ist schuld an der Rezession in Griechenland?
Ich will niemandem die Schuld geben. Wir haben unsere Lektion aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Wir wissen, dass wir die beiden Grundprobleme lösen müssen: die Überschuldung der öffentlichen Haushalte und die geringe Wettbewerbsfähigkeit. Dabei machen wir Fortschritte. Nur zwei Beispiele: Wir haben das Transportwesen für den Wettbewerb geöffnet. Jetzt sind wir dabei, den Energiemarkt vollständig zu liberalisieren. Ich weiß, dass der Erfolg dabei von unserer Entschlossenheit abhängt. Genauso wichtig ist aber die Solidarität unserer Partner in der EU.

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