Politik : Griechenland

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Elli Siapkidou,


Generation 25

Liebe Europäische Union,

ich möchte Dir für die vergangen 50 Jahre danken. Die europäische Union bewahrt den Frieden zwischen Ländern, die lange Krieg miteinander geführt haben. Sie hat zur Festigung der Demokratie in Europas südlichen Randgebieten beigetragen und über das Ende der Teilung zwischen Ost und West gewacht. Sie hat die Grenzen und Barrieren zwischen fünfundzwanzig, bald siebenundzwanzig Ländern geöffnet und den Handel und wirtschaftliches Wachstum für die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ermöglicht. Europa hat die Möglichkeit für Wachstum eröffnet, den Lebensstandart erhöht und Unterstützung für weniger privilegierte Regionen geboten.

Trotzdem gibt es in einer sich schnell verändernden Welt viele Herausforderungen zu bewältigen: regionale Konflikte, Terrorismus, internationaler wirtschaftlicher Wettbewerb, knappe Energieressourcen, Klimawandel und der Wunsch nach einer nachhaltigen Weiterentwicklung. In manchen Teilen Europas untergraben eine fortwährende Arbeitslosigkeit, wenig Wirtschaftswachstum und eine alternde Bevölkerung in Sozialstaaten den Enthusiasmus der Europäer für das europäische Projekt, vor allem wenn es um die europäische Verfassung geht.

Hand in Hand mit dem großem Erfolg und bedeutenden Erklärungen gehen auch eine hohe Erwartung und Verantwortung. Kann Europa dem gerecht werden?

Die Autorin, Jahrgang 1977, forscht über Europäische Politik an der Hellenic Foundation for European and Foreign Policy. Übersetzt aus dem Englischen.

 

Loukas Tsoukalis,
Generation 50

In den kommenden Jahren ist die wichtigste Herausforderung Europas die Definition und aktive Verteidigung seiner gemeinsamen Interessen und Werte in einem sich schnell verändernden globalen Umfeld. Der relative Anteil Europas an Bevölkerung, Einnahmen und Handel geht – aus demografischen Gründen und aufgrund des Aufstiegs neuer Wirtschaftsmächte in den Entwicklungsländern – zwangsläufig weiter zurück. Die Europäer glauben mit großer Mehrheit, dass die Gestaltung der Globalisierung nicht ganz den Kräften des Marktes oder den USA überlassen werden sollte. Und die Europäer können nur Einfluss nehmen, indem sie in ihre eigene Einheit investieren. Einzeln besitzen die Mitgliedstaaten wenig Gewicht; zukünftig wird es noch weniger sein. Wie lange wird es dauern, bis sie merken, dass sie ihre Interessen und Werte am besten durch gemeinsames europäisches Vorgehen verteidigen?

Europa hat einen relativen Vorsprung in diversen Formen der „Soft Power“ entwickelt. Ohne den Einsatz militärischer Gewalt als letztes Mittel in einer problematischen Welt, in der Konflikt und Gewalt – leider – noch lange Bestand haben dürften, völlig auszuschließen, wird die EU weiterhin primär als Zivilmacht agieren. Wir haben unser eigenes Modell entwickelt, das zwar einzigartig ist, aber auch an eine sich schnell verändernde Welt angepasst werden muss: ein Modell, auf das wir mit gutem Grund stolz sein können.

Der Autor, Jahrgang 1950, ist derzeit Präsident der „Hellenic Foundation for European and Foreign Policy“ und Professor für Europäische Integration an der Universität Athen. Übersetzt aus dem Englischen von Karin Ayche.

 

Ioannis Varvitsiotis,
Generation 75

Europa hat im 20. Jahrhundert seine Grenzen ausgelotet und seine Kräfte erprobt. Es hat versucht, die Differenz zu verleugnen und musste sich schließlich ihrer Strahlkraft „beugen“. Das 21. Jahrhundert stellt das Individuum in das Zentrum der Geschichte. Europas Zukunftsvision wird im Wesen des Humanismus stabile Grundfesten finden, indem wir unsere Existenz durch unsere Stellung in der Welt definieren.

Der Autor, Jahrgang 1933, war unter anderem Verteidigungsminister und Justizminister Griechenlands. 2004 wurde er in das Europäische Parlament gewählt. Übersetzt aus dem Griechischen von Dr. Michaela Prinzinger.

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