Politik : Griechische Ermittler rätseln

Gerd Höhler

Athen - Die Attacke auf das Botschaftsgebäude der USA in Athen vergangene Woche bringt Griechenlands konservative Regierung in Bedrängnis: Oppositionspolitiker und Sicherheitsexperten werfen Premier Kostas Karamanlis vor, er habe den Kampf gegen den Terrorismus vernachlässigt. Die Ermittler gehen der Frage nach, ob die Botschafts-Attentäter mit ausländischen Terrorgruppen zusammenarbeiteten. Am Freitag hatten Unbekannte eine Rakete auf das Gebäude abgefeuert. Verletzt wurde dabei niemand, es entstand geringer Sachschaden.

Acht Anschläge hat die Terrorgruppe „Revolutionärer Kampf“, die sich telefonisch zum Angriff auf die Botschaft bekannte, seit 2003 verübt. Doch bisher konnte die Polizei kein Mitglied der Organisation identifizieren. Während die Gruppe bisher Bombenattentate verübte, benutzte sie jetzt eine panzerbrechende Granate. Die Waffe des russischen Typs RPG-7 stammt laut Spurensicherung aus chinesischer Produktion. Die Verwendung der Waffe deute auf eine mögliche Zusammenarbeit des „Revolutionären Kampfes“ mit ausländischen Terrorgruppen hin, heißt es.

Mit der Ermittlungsleitung beauftragte Premier Karamanlis den Polizeioffizier Stelios Syros, der von 2000 bis 2004 Chef der Antiterroreinheit war. Dass man Syros reaktivieren musste, wirft kein gutes Licht auf die Zustände bei der Antiterroreinheit: Deren jetzigen Chefs traut die Regierung offenbar die Aufklärung des Falles nicht zu. Schwere Versäumnisse scheint es bei der Überwachung der Botschaft gegeben zu haben. Es ist nicht zu erklären, wie der oder die Täter 100 Meter entfernt in Sichtweite der Botschaft die wahrscheinlich in einer Reisetasche mitgebrachte Panzerfaust schultern, zielen, die Granate abfeuern und unerkannt entkommen konnten.

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