Großbritannien : Briten lassen Ex-Guantanamo-Häftling frei

Er hat fast fünf Jahre im US-Gefangenenlager Guantanamo verbracht. Nun ist der Äthiopier Binyam Mohamed nach der Rückkehr in sein früheres Zufluchtsland Großbritannien auf freien Fuß gesetzt worden.

LondonWie Scotland Yard mitteilte, war Binyam Mohamed zuvor im Zuge der Anti-Terror-Gesetzgebung auf dem Luftwaffen-Stützpunkt Nordholt nordwestlich von London in Polizeigewahrsam genommen und knapp fünf Stunden lang verhört worden. Der 30-Jährige Mohamed ist der erste Guantanamo-Häftling, der seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama freigelassen wurde.

Seiner Überstellung nach Großbrtiannien gingen nach Angaben des britischen Außenministers David Miliband intensive Verhandlungen mit der US-Regierung voraus. 2008 wurden fast alle Terror-Vorwürfe gegen ihn fallengelassen, dennoch blieb er in Haft. Die USA hatten Mohamed beschuldigt, er habe ein Training in einem Al-Qaida-Ausbildungslager in Afghanistan absolviert und geplant, eine sogenannte schmutzige Bombe mit radioaktiven Material zu bauen.

"Auf mittelalterliche Weise gefoltert"

In einer am Montag von seinen Anwälten verbreiteten Erklärung berichtete Mohamed, er sei auf Betreiben der US-Regierung entführt und "auf mittelalterliche Weise gefoltert" worden. Dazu habe sexuelle Erniedrigung gehört, außerdem seien auf seine Wunden Chemikalien geschüttet worden. Dem britischen Geheimdienst warf Mohamed vor, seinen Folterern in Marokko Anweisungen erteilt zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine unabhängige Untersuchung zu den Vorwürfen gegen die britischen Behörden.

Bevor er 2002 in Pakistan festgenommen und nach Stationen in Marokko und Afghanistan im Mai 2004 nach Guantanamo gebracht wurde, hatte Mohamed als anerkannter Flüchtling in Großbritannien gelebt. Er war 1994 im Alter von 16 Jahren als Asylbewerber ins Land gekommen. Innenministerin Jacqui Smith hatte angekündigt, Mohamed erhalte nach seiner Rückkehr zunächst eine zeitlich befristete Aufenthaltserlaubnis. (mpr/AFP)

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