Großbritannien : Britische Presse: Blair tritt zurück

Angesichts des wachsenden Drucks in den eigenen Reihen will der britische Premier Tony Blair angeblich im Juli zurücktreten. Ein Regierungssprecher wies entsprechende Berichte als "Spekulation" zurück.

London - Die Zeitungen "The Times" und "The Sun" berichteten von einem bevorstehenden Rücktritt des Premiers, nachdem mit Umweltminister David Miliband erstmals ein Regierungsmitglied Blair öffentlich aufgefordert hatte, binnen eines Jahres aufzuhören. Auch Sozialministerin Hilary Armstrong schloss sich der Forderung an. Die "Sun" berichtete, Blair plane am 26. Juli sein Amt aufzugeben. Zwei Monate zuvor, am 31. Mai, wolle er als Chef der regierenden Labour-Partei zurücktreten. Möglicherweise komme der Rückzug Blairs schon eine Woche früher, wenn seine Partei bei den Wahlen in Schottland und Wales im Mai herbe Verluste hinnehmen muss, schreibt das Blatt weiter.

Umweltminister Miliband sagte der BBC, die "gängige Meinung" sei, "dass der Premierminister noch zwölf Monate weitermachen möchte". Er fügte hinzu: "Und es scheint mir, dass die gängige Meinung vernünftig ist." Miliband ist der erste Minister aus Blairs Regierung, der öffentlich ein Datum für den Rücktritt des Ministerpräsidenten nennt. Armstrong sagte der BBC, sie rechne damit, dass Labour bis zum Parteitag im Herbst 2007 einen neuen Chef habe. Laut der Zeitung "The Guardian" drängte Blairs voraussichtlicher Nachfolger, Finanzminister Gordon Brown, den Regierungschef, einen Zeitplan für seinen Rückzug zu veröffentlichen.

Labour: Aufstand gegen Blair?

Die Zeitungen "The Times", "The Guardian" und "The Independent" berichteten, 80 Labour-Abgeordnete wollten ihre Forderung mit Namen öffentlich machen, wenn Blair den Äußerungen Milibands nicht zustimme. Zwischen 20 und 40 Abgeordnete wollten dem Premierminister diese Haltung nicht-öffentlich kund tun.

Die Zeitung "Daily Mirror" hatte am Dienstag aus einem fünfseitigen Dokument aus Blairs Büro zitiert, in dem Berater dem Regierungschef einen baldigen Abgang nahelegen. Der seit 1997 amtierende Blair war im Mai 2005 unter großen Verlusten wiedergewählt worden. Anschließend hatte er angekündigt, er werde vor der nächsten Parlamentswahl, die spätestens im Mai 2010 stattfinden muss, abdanken. Ein genaues Datum hatte er aber nicht genannt. Noch in der vergangenen Woche weigerte sich Blair in einem Interview, einen Termin festzusetzen.

Umfragen zufolge liegen die Konservativen derzeit in der Wählergunst vor der Labour-Partei. Vor allem die Unterstützung der Politik von US-Präsident George W. Bush im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg hat Blair geschadet. In einer am Mittwoch von der "Times" veröffentlichten Umfrage äußerten 73 Prozent der Befragten die Meinung, die Außenpolitik der britischen Regierung habe die Gefahr von Terroranschlägen im Land erhöht. 62 Prozent forderten eine Änderung der britischen Außenpolitik, vor allem in Gestalt einer Distanzierung von den USA. (tso/AFP)

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