Großbritannien : Gordon Brown neuer Labour-Chef

Finanzminister Gordon Brown ist der neue starke Mann in der Labour-Partei. Der Schotte wurde auf dem heutigen Parteitag ernannt, am Mittwoch soll er auch britischer Premierminister werden.

ManchesterManchester - Der britische Finanzminister Gordon Brown ist zum neuen Chef der Labour-Partei ernannt worden. Der scheidende Regierungschef Tony Blair gratulierte seinem Nachfolger beim Labour-Parteitag in Manchester und präsentierte ihn als neuen Parteichef, "der bald der Führer unseres Landes sein wird". Der 56-jährige Schotte Brown versicherte dem Publikum: "Ich werde hart für euch arbeiten." Am Mittwoch soll er auch das Amt des Regierungschefs von Blair übernehmen. Wenige Stunden vor der Wahl sorgte ein an die Öffentlichkeit geratenes vertrauliches Dokument für Unruhe, demzufolge Blair seinen Nachfolger nach der Parlamentswahl 2005 als Minister entlassen wollte.

Die in Manchester versammelten Labour-Abgeordneten, Parteimitglieder und Vertreter Labour-naher Gewerkschaften begrüßten Browns Wahl mit großem Applaus. In seiner ersten Rede als Parteichef sagte Brown, die Führung zu übernehmen, sei eine "Ehrfurcht einflößende Verantwortung". Er werde seine neue Aufgabe mit "Demut und Stolz" erfüllen. Brown dankte Blair, "einem Mann, der zehn Jahre lang, die Bürde der Führung unseres Landes getragen hat." Brown war der einzige Kandidat für den Posten des Labour-Chefs, zwei mögliche Konkurrenten hatten in der Partei nicht die nötige Unterstützung erhalten. Zur Vize-Parteichefin wurde Justizministerin Harriet Harman gewählt, die sich im fünften Wahlgang allerdings nur knapp gegen Bildungsminister Alan Johnson durchsetzen konnte.

Spätes Lob von Blair

Blair lobte in seiner Rede seinen Nachfolger als prinzipientreuen Mann mit festen Überzeugungen - "ein Mann mit all den Qualitäten, die ihn zu einem großartigen Premierminister unseres Landes machen". Er wisse, dass Brown sein Bestes für sein Land geben werde. Blair tritt am Mittwoch nach zehn Jahren als Premierminister zurück und übergibt dann auch dieses Amt an Brown. In Großbritannien wird der Chef der Regierungspartei traditionell auch Premierminister. Neuwahlen sind nicht notwendig, wenn der Parteichef nach der Hälfte der Legislaturperiode wechselt.

Vor der Parteiversammlung in Manchester forderten Tausende Gegner des Irak-Krieges einen Abzug der britischen Truppen aus dem Irak innerhalb von hundert Tagen nach Browns Amtsantritt. Brown hat erklärt, die Soldaten würden erst abgezogen, wenn die Umstände es zuließen.

Sollte Brown entmachtet werden?

Die Zeitung "Independent" berichtete derweil über gezielte Versuche Blairs, Brown aus dem Amt des Finanzministers zu drängen. Der Premier habe Browns Machtbasis im Finanzministerium zerstören wollen, berichtete das Blatt in seiner Sonntagsausgabe. In einem von Blairs Mitarbeitern entworfenen Dokument sei bereits die schrittweise Neuorganisation des Ministeriums skizziert worden. Laut "Independent" wurde der Plan nie umgesetzt, weil Blair in einem schwierigen Wahlkampf auf Brown angewiesen gewesen sei. Blairs Büro erklärte dazu: "Wir kommentieren durchgesickerte Dokumente nicht."

Blair und Brown hatten nie einen Hehl aus ihren Differenzen in der Vergangenheit gemacht. Allerdings hatte Blair Brown bei seiner letzten Kabinettssitzung "unerschütterliche Loyalität" zugesichert. (mit AFP)

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