Politik : Großbritannien: Im Prinzip ja zum Euro ...

Matthias Thibaut

Aufgeregte Spekulationen über eine angebliche Herbstoffensive der britischen Regierung in Sachen Euro-Beitritt entbehren offenbar jeder Grundlage. "An der britischen Politik hat sich nichts geändert", bestätigte der britische Europaminister Peter Hain und warf der britischen Presse vor, seine jüngsten Äußerungen zum Euro verzerrt zu haben. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel wiederholte er, was er auch der britischen Presse nach seinem Amtsantritt zur Euro-Debatte sagte: "Cool it". Der Minister, der am heutigen Montag zu seinem Antrittsbesuch nach Berlin kommt, würde im Falle eines britischen Beitrittsreferendums die Pro-Euro-Kampagne organisieren. Wann das sein wird, steht weiter in den Sternen.

Anlass für die Spekulationswelle war ein Interview mit der linken Labour-Zeitschrift "Tribune". Dort hatte Hain die Währungsunion als eine "logische Entwicklung eines einheitlichen Marktes" bezeichnet. "Der Euro marschiert voran. Niemand glaubt, dass wir die Entscheidung, ob wir beitreten oder nicht, für immer und ewig hinausschieben können", hatte Hain erklärt. Britische Zeitungen hatten berichtet, Hain halte den Beitritt zur Währungsunion für unvermeidlich.

Natürlich weiß Hain, dass die von ihm genannte Logik auch Großbritannien als Mitglied des europäischen Binnenmarktes mit einschließt. "Deshalb hat sich die Regierung im Prinzip für einen Beitritt zur Währungsunion entschieden. Aber die Briten wollen keine Regierung, die leichtsinnig auf den Startknopf drückt, jetzt, morgen, oder im nächsten Herbst. Sie wollen sicher sein, dass diese Entscheidung mit Sorgfalt getroffen wird", sagte Hain nun. Es bleibt also dabei: Nur Schatzkanzler Gordon Brown kann mit seiner Analyse der wirtschaftlichen Bedeutung eines Beitritts die Voraussetzung für ein Referendum schaffen. Diese Analyse ist bis Juni 2003 zugesagt.

Die überraschende Ablösung von Robin Cook durch Jack Straw als Außenminister und die Ernennung von Hain - der gegen den Maastricht-Vertrag stimmte - wurden nach der Unterhauswahl als Signal für eine vorsichtigere Gangart der britischen Europapolitik gewertet. In dem Gespräch im Londoner Außenministerium sagte Hain nichts, was diese Auffassung korrigiert hätte. Der Eindruck ist, dass die Blair-Regierung auf der einen Seite keine Alternative zu einem Euro-Beitritt sieht, sich andererseits aber scheut, den Stier bei den Hörnern zu packen. Man sehe ja, was den europafreundlichen Iren passiert sei. "Wir setzen das Referendum erst dann an, wenn wir glauben, dass die Menschen überzeugt davon sind, dass es in ihrem wirtschaftlichen Interesse ist", sagte Hain.

Vorerst hofft er auf das positive Beispiel des Euro-Bargelds im nächsten Jahr. Wenn ein Brite in Spanien neben einem Deutschen am Swimming Pool liege, der für seinen Urlaub fünf Prozent weniger bezahlt habe, dann werde das Verständnis für den Euro in Großbritannien schon wachsen.

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