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Großbritannien : Jeremy Corbyn ist neuer Labour-Vorsitzender

Linksruck bei Labour: Der ultralinke Jeremy Corbyn ist mit 60 Prozent zum neuen Parteivorsitzenden gewählt worden.

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Jeremy Corbyn ist neuer Labour-Vorsitzender. Foto: Neil Hall/Reuters
Jeremy Corbyn ist neuer Labour-Vorsitzender.Foto: Neil Hall/Reuters

554.272 Parteimitglieder durften abstimmen, 422.664 nahmen daran teil - und das Ergebnis ist eindeutig: Jeremy Corbyn ist mit 59,5 Prozent (251.417 Stimmen) zum neuen Vorsitzenden der Labour-Partei gewählt worden. Ihm genügte ein Wahlgang, um sich mit einer absoluten Mehrheit gegen drei Mitbewerber durchzusetzen. Stellvertretender Vorsitzender wurde Tom Watson. Das gab die Partei am Mittag in London bekannt.

Unter dem Jubel von Delegierten eines Sonderparteitags würdigte Corbyn die Wahl als beispielhaften demokratischen Vorgang. Der 66-jährige Sozialist würdigte seine unterlegenen Kontrahenten und kündigte an, sie in die weitere Parteiarbeit einbeziehen zu wollen. "Wir werden uns als Abba-Tribute-Band wieder formieren", sagte Corbyn. Sein Dank galt auch den Gewerkschaften. Sie hatten für Corbyn Mitglieder mobilisiert. Die Partei seit durch die Verbindung mit den Gewerkschaften geprägt, betonte Corbyn.

Nach seinem Wahlsieg rief er dazu auf, in Großbritannien eine "bessere Gesellschaft" aufzubauen. Dies sei mit einer entschlossenen Labour-Partei möglich. Corbyn gehört zu den energischsten Kritikern der Sparpolitik des konservativen Regierungschefs David Cameron, er will seine Partei weit nach links ausrichten.

In den letzten Monaten hatte der Sozialist die Politik in Großbritannien aufgemischt - und war auf große Unterstützung genauso wie großen Widerstand gestoßen. Kritiker äußerten ihre Sorge, die Partei könnte sich um alle Wahlchancen bringen. Der ehemalige Premier Tony Blair, der einst "New Labour" kreierte, warnte seine Partei sogar vor der Selbstvernichtung. "Die Partei läuft mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen dem Abgrund entgegen", prophezeite Blair angesichts der Umfragewerte für den Linksaußen Corbyn. Unter diesem würde Labour von einer potenziellen Regierungspartei zur reinen Protestpartei degradiert.

"Diese Labour-Partei ist größer als jeder von uns", hatte Generalsekretär Iain McNicol schon vor der Bekanntgabe des Ergebnisses unterstrichen. "Was auch immer passiert", appellierte Sadiq Khan, der Labour-Kandidat für das Amt des Londoner Bürgermeisters. "Wir müssen an einem Strang ziehen." (mit AFP)

Lesen Sie hier unsere Reportage über Jeremy Corbyn: "Alter Spalter".

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