Großbritannien : Labour-Partei: Wettstreit der ungleichen Brüder

David Miliband steht für New Labour, sein Bruder Ed dagegen – und Blairs Memoiren befeuern ihren Führungskampf.

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Eigentlich sollte über allem die Bruderliebe stehen. Nun ist der Kampf der Brüder David und Ed Miliband um die Führung der Labourpartei doch so heftig geworden, dass der TV Sender Channel 4 ihn zu einem TV-Doku Drama verarbeiten will.

Tony Blairs Memoiren haben die Stimmung zwischen den beiden Favoriten, dem 45-jährigen ehemaligen Außenminister David und dem bald 40-jährigen ehemaligen Energieminister Ed, noch gereizter werden lassen. Blair hat sich im Buch massiv hinter seinen einstigen Zögling David gestellt und die Kursänderung seines Nachfolgers im Amt des Premiers, Gordon Brown, nach 2007 attackiert: „Wenn wir nur einen Millimeter von New Labour abweichen, kommen wir in Schwierigkeiten, das war immer meine Meinung“, erklärte Blair in einem Interview mit der BBC. Damit hat er David Miliband das Leben nicht einfacher gemacht.

Der neue Labourchef soll der Partei den Weg in eine Zukunft nach der Brown- Blair-Ära weisen. Doch Dave und Ed waren schon in diesem alten Streit Kombattanten. David wurde seit 2007 immer wieder als ein möglicher Herausforderer Browns genannt. Der „rote Ed“ war jahrelang ein Drahtzieher in Browns Lager. Die Partei werde „Jahre in der Wildnis“ verbringen, wenn sie den Streit jetzt nicht beilege, warnte der einstige Vizepremier John Prescott.

Beide Kandidaten beeilten sich, Blairs Einmischung zurückzuweisen, keiner so vehement wie David Miliband. „Ich habe großen Respekt für Tony und Gordon. Aber ihre Zeit ist vorbei“, mailte er an seine Anhänger. Dabei steht David der in Blairs Buch noch einmal bekräftigten New-Labour-Agenda am nächsten: Wettbewerbsfähige Steuern, schneller Abbau des Defizits, ein gebremster Staat, ein modernes Sozialsystem, in dem Staat und Privatversorger zusammenarbeiten. David Miliband ist der Labourpolitiker, der am klarsten versteht, dass die Labourpartei ohne die Unterstützung der Mittelschichten nicht gewinnen kann.

Ed Miliband formulierte am klarsten, warum Labour verloren hat: „Weil die Menschen glaubten, wir stünden nicht mehr auf ihrer Seite.“ Ed machte sich bei Labours Kernwählern beliebt, indem er sich von Labouraltlasten distanzierte – dem Irakkrieg, den Attacken auf bürgerliche Freiheiten, der schwachen Regulierung der Banken. Ed gilt vielen als der Kandidat, der wieder eine progressive Bewegung bilden kann. Er will auch linke Liberaldemokraten zurückholen, die über die Koalition ihrer Partei mit den Tories unzufrieden sind. Doch die ehemalige graue Eminenz, Lord Peter Mandelson, warnt vor diesem Kurs: Der Versuch, in eine „Prä-New-Labour-Phase“ zurückzukehren, führe in eine Sackgasse.

Einer von den beiden Milibands wird neuer Labourchef, wenn das Wahlergebnis am 25. September kurz vor dem Labourparteitag verkündet wird – und damit neuer Premier, sollte Labour die nächste Parlamentswahl gewinnen. Andere Kandidaten sind abgeschlagen. Fast alle Gewerkschaften, fast alle Mitglieder des Schattenkabinetts haben sich für einen der Brüder Miliband ausgesprochen. Den Ausschlag für das Wahlergebnis wird aber geben, wie sich die Zweitstimmen im komplexen Wahlverfahren auf Ed und David verteilen. Der Ausgang ist unvorhersehbar.

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