Großbritannien : Lässt Brown im Februar wählen?

Er ist der Krisenmanager Europas - und seine Umfrageergebnisse werden immer besser. Jetzt wachsen die Spekulationen, dass Großbritanniens Premier Gordon Brown schnelle Neuwahlen ansetzt.

Matthias Thibaut

London - In Großbritannien wachsen die Spekulationen, dass Premier Gordon Brown auf eine Überraschungswahl im Frühjahr setzt. Zwar haben die von David Cameron geführten Konservativen in Meinungsumfragen einen Vorsprung. Aber Browns Strategie, sich in der Wirtschaftskrise als „ernster Politiker für ernste Zeiten“ zu präsentieren, hat Erfolg. Seit September ist der Vorsprung der Tories in Umfragen von zwanzig auf wackelige fünf Prozent geschrumpft. Nach dem britischen Mehrheitswahlrecht würde das genügen, eine Regierungsmehrheit der Tories im Unterhaus zu verhindern.

Die Konservative Partei rechnet bereits mit einer Wahl im Frühling. Cameron hat sein Schattenkabinett angewiesen, Politikvorschläge wahlkampfbereit zu machen. Im Januar wollen die Tories mit einer Flut von Ankündigungen Browns Behauptung widerlegen, sie reagierten auf die Krise mit „Nichtstun“. Brown hat wohl nur ein kurzes Zeitfenster, sich als Krisenmanager zu profilieren. In einer Karikatur der Zeitung „Sun“ sieht man ihn als Sprinter, der von einem Wirbelsturm von Schulden verfolgt wird. Auf einem Wegzeiger steht: „Februarwahl“. Die Kritik von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück an Browns „krassem Keynesianismus“ schlug in Großbritannien so hart ein, weil um die hohe britische Verschuldung bereits Wahlkampf ausgebrochen ist. Der frühere konservative Premier John Major warf Brown vor, er nutze die Krise als Feigenblatt für Großbritanniens enormes Haushaltsdefizit. Doch Brown sei schuld am Einbruch der britischen Wirtschaft. „Wenn ein Einbrecher ein Haus geplündert hat, wird er eigentlich nicht zurückgeholt, um die Schlösser zu reparieren.“ Brown könnte längstens bis Juni 2010 warten, um Wahlen auszurufen, aber Premiers, die zu lange zögerten, schnitten meist schlechter ab als solche, die in kritischen Zeiten mutig an die Urnen drängten.

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