Großbritannien : Regierung will härter gegen Jugendgewalt vorgehen

Bislang kamen jugendliche Übeltäter unter 18 Jahren mit einer Verwarnung davon. Das soll sich jetzt ändern: In Zukunft droht ihnen gerichtliche Verfolgung, wenn sie ein Messer dabei haben.

Markus Hesselmann

London - Künftig werden Jugendliche in Großbritannien schon ab 16 Jahren gerichtlich verfolgt, wenn sie von der Polizei mit einem Messer erwischt werden. Mit dem Beschluss reagiert die britische Regierung auf die Serie von Gewalt- und Tötungsdelikten unter Jugendlichen. Premierminister Gordon Brown verkündete die neue Regelung am Donnerstag nach einem Treffen mit hochrangigen Polizisten und Staatsanwälten. Auch das britische Unterhaus befasste sich in einer kurzfristig angesetzten Debatte mit dem Thema und signalisierte Zustimmung.

„Wir müssen eine Botschaft senden und sie mit sofortigen Maßnahmen bekräftigen“, sagte Brown. „Es ist vollständig inakzeptabel, ein Messer mit sich herumzutragen.“ Junge Menschen müssten verstehen, dass Messer sie nicht schützten, sondern im Gegenteil „die Gefahr für alle erhöhen, junge Menschenleben zerstören und Familien ruinieren“. Die jüngsten tragischen Ereignisse hätten allen dieses Problem vor Augen geführt. Damit erinnerte Brown an die anhaltende Welle der Gewalt vor allem zwischen Jugendgangs in London.

16 junge Menschen sind 2008 bislang als Folge von Gewalttaten gestorben. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 27. Viele davon fielen Messerattacken zum Opfer. Die Höchststrafe für das Tragen eines Messers liegt in Großbritannien bei vier Jahren Gefängnis.

Londons neuer, konservativer Bürgermeister Boris Johnson, dessen Wahl unter anderem auf seine harte Haltung bei der öffentlichen Sicherheit zurückzuführen ist, will gegen Jugendgewalt durchgreifen. Unter anderem stattet er die Polizisten der Hauptstadt mit Handdetektoren wie an Flughäfen aus. Johnsons Amtsvorgänger Ken Livingstone, ein Parteifreund Browns bei Labour, hatte in Diskussionen vor der Bürgermeisterwahl mehrfach auf die insgesamt sinkende Kriminalität in London verwiesen und dabei offenbar das subjektive Gefühl der Bedrohung bei den Bürgern unterschätzt.

In Deutschland wurde Anfang April das Waffengesetz verschärft. Ein Messer mit einer Klingenlänge ab zwölf Zentimeter dabei zu haben ist verboten. Behandelt werden solche Vergehen als Ordnungswidrigkeit mit einer Höchststrafe von 10 000 Euro. Das Alter des Übeltäters ist ohne Belang. Das Gesetz gilt genauso für Jugendliche. Markus Hesselmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben