Großbritannien : Schotten dürfen abstimmen

2014 soll es ein Referendum über Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich geben. Darauf haben schottische Nationalisten lange gewartet. In Umfragen sind die Separatisten derzeit allerdings abgeschlagen.

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Alex Salmond kämpft für die Unabhängigkeit Schottlands.
Alex Salmond kämpft für die Unabhängigkeit Schottlands.Foto: Reuters

London - Nach einem Jahr gereizter Verhandlungen haben sich die schottische Regierung und die Londoner Zentralregierung auf ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst 2014 geeinigt. London tritt dem schottischen Parlament das Recht ab, das Referendum durchzuführen. „Das fundamentale Recht des schottischen Volkes, unsere Zukunft selbst zu wählen, wird von allen respektiert“, sagte der Chef der schottischen Regionalregierung, Alex Salmond, bei der Unterzeichnung in Edinburgh. Premierminister David Cameron sagte, niemand wolle und könne die Schotten gegen ihren Willen zum Verbleib in der Union zwingen, aber er habe keinen Zweifel, „dass wir zusammen am stärksten sind“. Die „Union“, das „Vereinigte Königreich“, besteht seit über 300 Jahren, nur die Republik Irland schied 1922 aus.

Verlieren die schottischen Nationalisten, wird die Frage des schottischen Separatismus zum ersten Mal seit 30 Jahren von der Tagesordnung verschwinden. Gewinnen sie, wird es „Scheidungsverhandlungen“ geben, bei denen Staatsschulden, Ölvorkommen und die in Schottland stationierten britischen Atom-U-Boote die umstrittensten Punkte wären. Für die Labour Party wäre eine Abtrennung Schottlands katastrophal, weil die Tories im Rest des Landes eine sichere Mehrheit haben.

Laut Umfragen sinkt die Unterstützung für die Unabhängigkeit. 53 Prozent der Schotten würden heute für den Verbleib im Königreich stimmen, nur 28 Prozent für den Austritt. Vor allem die Euro-Krise hat einen Strich durch die Kalkulationen Salmonds gemacht. Er wollte Schottland in den Euro führen, wovon er angesichts der Krise Abstand genommen hat. Nun soll Schottland beim britischen Pfund bleiben. Die „unionistische Seite“ konnte durchsetzen, dass es nur eine Frage gibt: Soll Schottland als unabhängiger Staat das Vereinigte Königreich verlassen? Salmond wollte zudem alternativ über eine weitere Stärkung der schottischen Autonomie abstimmen lassen. Dafür dürfen nun auch 16- und 17-Jährige am Referendum teilnehmen. Matthias Thibaut

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