Großbritannien : Verkehrsministerin Ruth Kelly tritt zurück

Gerade hatte der stark in die Kritik geratene britische Premier Gordon Brown auf dem Labour-Parteitag wieder Oberwasser bekommen, schon ist es vorbei mit der Geschlossenheit. Verkehrsministerin Ruth Kelly hat ihren Rücktritt erklärt - allerdings aus privaten Gründen.

Ruth Kelly
Ruth Kelly nimmt ihren Hut. -

LondonDer britische Premierminister Gordon Brown hat den Rücktritt seiner Verkehrsminister Ruth Kelly bekannt gegeben. Er erklärte, Kelly trete aus familiären Gründen zurück, nicht aus politischen, sagte er im britischen Fernsehen. Die Mutter von vier Kindern habe ihm bereits im Mai gesagt, dass sie bei der nächsten Kabinettsumbildung ihr Amt niederlegen möchte. Als Vater verstehe er den Wunsch seiner Ministerin, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, sagte Brown dem Sender GMTV. "Sie wollte bei ihnen sei, wenn sie aufwachsen." Ihre Entscheidung habe "nichts mit Politik zu tun", sagte Brown der BBC. Einen genauen Rücktrittstermin Kellys sowie einen Nachfolger nannte Brown zunächst nicht.

Kellys Rücktritt kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für den angeschlagenen britischen Premierminister. Erst am Dienstag hatte Brown versucht, sich auf dem Parteitag seiner Labour-Partei trotz schlechter Umfragewerte als verlässlicher Krisenmanager für die Zukunft zu empfehlen.

Spekulationen über weitere Kabinettsumbildungen

Nach Kellys Rücktrittsankündigung kamen Spekulationen auf, dass sie wegen eines umstrittenen Embryonen-Gesetzes abdankt, das demnächst verabschiedet werden soll. Die katholische Ministerin hatte sich gegen entsprechende Pläne Browns gestellt. Kelly betonte jedoch, Brown sei eine "überragende Figur in der Labour-Partei". Kelly wird zur nächsten Kabinettsumbildung, die möglicherweise kommende Woche stattfindet, ihr Amt niederlegen. Sie ist seit Juli 2007 Verkehrsministerin, als Brown das Regierungsamt von Tony Blair übernommen hatte.

Gerüchte über weitere Personalrochaden im Kabinett halten sich unterdessen hartnäckig. Die BBC berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass Labour-Fraktionschef Geoff Hoon möglicherweise EU-Kommissar Peter Mandelson ersetzen soll. Hoon sagte jedoch, er führe keine Gespräche, die für ihn "besonders relevant" seien. Außenminister David Miliband, der immer wieder als möglicher Brown-Nachfolger im Gespräch ist, sagte zu einer bevorstehenden Kabinettsumbildung, er hoffe stark, seinen Job zu behalten. "Ich bin sehr glücklich, den Job zu machen, den ich mache." Allgemein wird nicht erwartet, dass Miliband den Posten verliert. (nis/dpa/AFP)

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