Politik : Großdemonstration in Bagdad

Am zweiten Jahrestag des Sturzes von Saddam Hussein haben am Samstag in Bagdad tausende Anhänger des radikal-islamischen Predigers Muktada al-Sadr einen Abzug der ausländischen Truppen aus dem Land gefordert. (09.04.2005, 16:12 Uhr)

Bagdad - Bei der zentralen Kundgebung auf dem Firdus-Platz skandierten die Demonstranten anti-amerikanische Slogans. Auf Plakaten stand "Nein zu Amerika" und "Besatzer raus".

Andere Demonstranten trugen Bilder von US-Präsident George Bush und dem britischen Premier Tony Blair mit der Aufschrift «Internationaler Terrorismus». Die Demonstranten forderten außerdem, dass dem gestürzten Machthaber Saddam, der seit Dezember 2003 in Haft sitzt, rasch der Prozess gemacht wird. Zu den Protesten hatte der radikale Schiitenprediger Al-Sadr aufgerufen.

Auf dem Firdus-Platz war am 9. April 2003 nach dem Fall der Stadt während des Vorstoßes der US-geführten Koalitionstruppen eine riesige Statue Saddams von jubelnden Menschen in einem symbolischen Akt gestürzt worden. Die Miliz von Al-Sadr, die erst nach dem Krieg 2003 entstanden war, hatte sich in Nadschaf und anderen Städten blutige Gefechte mit der US-Armee geliefert, bei denen Hunderte von Menschen ums Leben kamen. Erst das Einschreiten des höchsten schiitischen Geistlichen des Landes, Großajatollah Ali al-Sistani, hatte im August 2004 zu einem Ende der Kämpfe geführt.

Bei einem Überfall auf einen irakischen Militärkonvoi südlich von Bagdad töteten Aufständische unterdessen 15 Soldaten. Wie der Fernsehsender Al-Irakija unter Berufung auf das Verteidigungsministerium meldete, wurde der Konvoi in Latifija mit Sprengladungen angegriffen. In der nordirakischen Stadt Mossul verletzte eine Autobombe nach Angaben von Klinikärzten 12 Iraker, darunter 9 Polizisten. Ziel des Anschlags sei ein vorbeifahrender Polizeikonvoi gewesen.

US-Streitkräfte im Irak haben einen am Dienstag in der Nähe von Mossul versehentlich angeschossenen Kameramann des Fernsehsenders CBS als mutmaßlichen Komplizen von Aufständischen festgenommen. Wie der Fernsehsender CNN am Samstag berichtete, ergab eine Untersuchung des Videomaterials des Irakers, dass er möglicherweise vorab über Anschläge auf US-Soldaten informiert war. Die Aufnahmen seien unmittelbar nach der Explosion von an Straßen versteckten Sprengsätzen gemacht worden. (tso) (tso)

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