Großdemonstrationen : Tausende protestieren gegen Krisenpolitik der Regierung

Unter dem Motto "Wir zahlen nicht für Eure Krise" demonstrierten Zehntausende in Berlin und Frankfurt gegen die deutsche und weltweite Politik bei der Finanzkrise. Sie befürchten vor allem, dass Geringverdiener mit ihren Steuern für die Folgen aufkommen müssen.

Krisendemo FFM
Auf Opposition gebürstet: Demonstranten in Frankfurt. -Foto: ddp

Berlin/Frankfurt/MainEine erhebliche Zahl von Menschen hat am Samstag in Berlin und Frankfurt am Main gegen das Krisenmanagement der Bundesregierung und der Industrie-Nationen während der Finanzkrise protestiert. Das zu den Organisatoren zählende globalisierungskritische Netzwerk Attac sprach von sehr bunten Demonstrationen. Zum europaweit größten Protest versammelten sich in London 35.000 Menschen. Die Zahl der Demonstranten in Frankfurt und Berlin bezifferte Attac mit insgesamt 55.000 Teilnehmern, 30.000 in Berlin und 25.000 in Frankfurt. Dagegen nannte die Polizei eine Teilnehmerzahl von insgesamt 25.000, 15.000 in Berlin und 10.000 in Frankfurt. Attac warf der Polizei daraufhin vor, zu geringe Zahlen anzugeben.

Die Demonstrationen und Kundgebungen in Deutschland standen unter dem Motto "Wir zahlen nicht für Eure Krise". Aufgerufen dazu hatte ein breites Bündnis aus Globalisierungskritikern, Gewerkschaftern und linken Organisationen. Diese befürchten, dass Geringverdiener die Folgen der Finanzkrise mit Steuergeldern bezahlen müssen. Nach Polizeiangaben blieben die Demonstrationen friedlich. Nur in Berlin kam es kurz vor der Abschlusskundgebung in der Nähe des Rathauses zu einer Auseinandersetzung zwischen Autonomen und der Polizei. Es seien einige Demonstranten festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Genaue Zahlen lagen jedoch zunächst nicht vor. Die Lage habe sich aber rasch wieder beruhigt, fügte der Sprecher hinzu.

Deutlich andere Demonstranten als sonst

Wie Attac mitteilte, befanden sich unter den Teilnehmern viele, die zum ersten Mal an einer Demonstration teilnahmen. Dies hätten Befragungen bei den Demonstranten gezeigt. Es habe sich nicht um das "übliche Klientel von Sozialprotest-Demonstrationen" gehandelt, sagte ein Attac-Sprecher. Er nannte dies sehr erfreulich, offenbar lasse sich auch das ansonsten nicht so mobilisierungsbereite Spektrum für das Thema Finanzkrise mobilisieren.

Die Proteste finden im Vorfeld des kommende Woche in London beginnenden Gipfels der führenden Industrienationen (G-20) statt. In der britischen Hauptstadt marschierten Demonstranten unter dem Motto "Put People First" ("Setzt die Menschen an erste Stelle") zum Hyde Park. Nach Angaben von Scotland Yard nahmen 35.000 Menschen an dem Marsch teil.

Britische Gewerkschaft freut sich über "breites Bündnis"

Ein Bündnis aus mehr als 150 Gewerkschaften, Umwelt- und Hilfsorganisationen und globalisierungskritischen Netzwerken hatte zu den Protesten in London aufgerufen. "Niemals zuvor ist ein so breites Bündnis mit so einer klaren Botschaft an die weltweiten Führungen zusammengekommen", sagte der Generalsekretär des britischen Gewerkschaftsbundes TUC, Brendan Barber. "Die alten Vorstellungen von nicht regulierten freien Märkten funktionieren nicht und haben die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gebracht", kritisierte er. Gegen Armut und den Klimawandel sei unterdessen viel zu wenig unternommen worden.

Am Donnerstag beraten beim G-20-Gipfel in London die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer über Maßnahmen zur Bewältigung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Anlässlich des Gipfels planen Globalisierungsgegner, Kriegsgegner und Klimaschützer weitere Protestveranstaltungen. (mhz/AFP)

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