Politik : Große Flut, kleine Spenden

Hilfsorganisationen beklagen mangelnde Hilfsbereitschaft / Sachsens Johanniter erhielten erst 35 Euro

Meike Fries

Berlin - Mehrere Spendenorganisationen haben sich über die mangelnde Bereitschaft der Deutschen beklagt, für die Opfer des diesjährigen Hochwassers zu spenden. „Mit dem Geld, das bislang auf unserem Spendenkonto eingegangen ist, könnte man noch nicht einmal eine Tankfüllung bezahlen“, sagt Oliver Bruse, Sprecher der Johanniter Niedersachsen, die ein regionales Spendenkonto eingerichtet haben. Beim sächsischen Schwesterverband, der zu Spenden aufgerufen hatte, gingen erst zwei private Spenden ein. Die Summe beläuft sich auf 35 Euro. Unter den großen Hilfswerken startete einzig die Diakonie einen zentralen deutschen Spendenaufruf. Lediglich 3500 Euro sind bisher auf dem Konto eingegangen, sagte Diakonie-Sprecherin Gesine Wolfinger dem Tagesspiegel. Hinzu kommen 100 000 Euro, die die Diakonie selbst als Soforthilfe zur Verfügung gestellt hat.

Das Deutsche Rote Kreuz Sachsen, das einen Spendenaufruf gestartet hatte, bekam bisher lediglich 30 000 Euro zusammen. Ein Sprecher wies ebenso wie ein Sprecher der Caritas darauf hin, dass für viele Betroffene die Probleme nicht geringer seien als bei der großen Jahrhundertflut 2002. Die Caritas in Dresden, die zu Spenden aufgerufen hatte, erhielt bisher 621 Euro von einzelnen Privatpersonen, Unternehmen steuerten allerdings weitere 15 000 Euro bei. Bei der großen Jahrhundertflut vor vier Jahren hatten die Deutschen mit beispielloser Hilfsbereitschaft 300 Millionen Euro gespendet. Im Unterschied zu damals ist die Katastrophe diesmal ausgeblieben, obwohl die Pegelstände in diesem Jahr die Höchststände von 2002 teilweise übertrafen. Grund hierfür ist die Tatsache, dass diesmal die Deiche gehalten haben. Als die Deiche 2002 in Sachsen brachen, verteilte sich das Wasser dort und verschonte Niedersachsen. Dass die Deiche diesmal hielten, hat mit den Anstrengungen in den letzten vier Jahren zu tun. Dort, wo es nicht zu den notwendigen Maßnahmen zum Hochwasserschutz kam – wie in Hitzacker –, wurden große Gebiete überflutet. Das Ausmaß der Schäden in diesem Jahr ist noch nicht abzuschätzen. Sie sind aber erheblich geringer als 2002, als ganze Dörfer fortgerissen wurden und Dresden unter Wasser stand. In Einzelfällen trifft die diesjährige Flut die Betroffenen hart, vor allem diejenigen, die 2002 aus der Versicherung geflogen sind.

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