Politik : Große Koalition für die CSU Signal zum Bruch mit der CDU

MÜNCHEN (Tsp/AP/rtr).In der CSU ist die Abneigung gegen eine Große Koalition offenbar so groß, daß sie für den Fall eines Bündnisses zwischen CDU und SPD nach der Bundestagswahl eine Spaltung der Union in Kauf nehmen würde.Der "Spiegel" zitiert ein CSU-Regierungsmitglied mit den Worten, daß dann "der Bruch der Fraktionsgemeinschaft, die Spaltung der Union" bevorstünde.CSU-Generalsekretär Protzner betonte: "Eine Große Koalition wird es mit uns nicht geben." Heftige Reaktionen löste er mit den Worten aus, die CSU könnte nach einer Niederlage eine SPD-Minderheitsregierung tolerieren.FDP-Vize Brüderle forderte die Union auf, statt darüber zu "schwafeln" lieber "den Kampfanzug" anzuziehen.

Während Waigel beim Wahlkampfauftakt am Wochenende in München unverzüglich ein Ende der Debatte forderte, hieß es in CSU-Kreisen, in der Partei werde über "verschiedene Szenarien" nachgedacht.Hintergrund der Aussagen Protzners ist die öffentliche Festlegung Waigels, die CSU werde sich keinesfalls an einer Großen Koalition beteiligen, in der die Union Juniorpartner der SPD sei.Für den Fall, daß die Koalition aus CDU, CSU und FDP bei der Bundestagswahl scheitert und auch Rot-Grün keine Mehrheit erhält, wurde deshalb in der CSU erörtert, die SPD gemeinsam mit der CDU Fallweise zu unterstützen.Protzner nannte als Beispiel den Haushalt.Aus den CSU-Kreisen verlautete, bei den Überlegungen gehe es eher um eine theoretische "Was wäre, wenn"-Debatte.In den Parteigremien habe das Thema bislang keine Rolle gespielt.

Waigel, der Schröder als "Lügner" und "Dilettanten" bezeichnete, sagte, er halte nichts von Spekulationen über die Zeit nach der Wahl.Die Union kämpfe dafür, daß ohne oder gegen sie nicht regiert werden könne.Auf keinen Fall gehe die Union in eine Große Koalition unter einem Bundeskanzler Schröder.Schröder selbst schloß eine Minderheitsregierung aus.Im Sender RTL sagte er, Deutschland brauche angesichts der bestehenden Probleme eine stabile Regierung.Für ihn komme im Fall eines SPD-Siegs nur Rot-Grün oder eine Große Koalition in Frage.

In Leipzig nannten FDP-Politiker Protzners Äußerungen "hirnrissig" und "absurd".FDP-Vize Brüderle meinte: "Statt über eine Tolerierung eines SPD-Minderheitskanzlers Schröder zu schwafeln, sollte die Union lieber den Kampfanzug anziehen und alle Kräfte für den Sieg mobilisieren." Unterdessen plädierte Baden-Württembergs FDP-Chef Döring dafür, daß Bundeskanzler Kohl (CDU) noch vor der Bundestagswahl einen Rückzugstermin von seinem Amt nennt.

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