Große Koalition : Wer darf jetzt regieren - und wer nicht

Erst wollten Merkel, Seehofer und Gabriel das Ergebnis der SPD-Basis abwarten, dann gemeinsam die Regierung verkünden. Doch am Freitagabend ging plötzlich alles sehr schnell und das Kabinett zeigt erste Konturen.

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Gabriel, Merkel, Seehofer - nachdem sie den Koalitionsvertrag unterzeichnet hatten. Foto: AFP
Gabriel, Merkel, Seehofer - nachdem sie den Koalitionsvertrag unterzeichnet hatten.Foto: AFP

Es ist kalt im Hof des alten Postbahnhofs, und trotzdem treten sich die Journalisten dort die Füße platt. Im Licht der Scheinwerfer stehen Andrea Nahles und Barbara Hendricks vor Kameras. Eigentlich wollen die SPD-Generalsekretärin und die Schatzmeisterin der Partei bei dem Termin am frühen Abend die rege Beteiligung am Mitgliedervotum über die große Koalition preisen. 335 500 von knapp 475 000 Genossen haben mitgemacht. Es war ja auch ein großes Versprechen der Sozialdemokraten, den Koalitionsvertrag in den Mittelpunkt zu stellen und das Personal erst später zu regeln.

Doch seit gut einer Stunde ist klar: Der schöne Plan ist ein bisschen schief gegangen – der Plan, die Basis für ihr Ja zu feiern, die einfachen Parteimitglieder als Herren der Politik zu inszenieren und ihnen die ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist eigentlich ja auch wenig überraschend an einem Freitag, dem 13.

Bundespresseball 2013
Ganz große Koalition: Linken-Chefin Katja Kipping und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zertanzen die politischen Differenzen. Zuvor... Foto: Mike WolffWeitere Bilder anzeigen
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01.12.2013 13:27Ganz große Koalition: Linken-Chefin Katja Kipping und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zertanzen die politischen...

Seit um 17 Uhr 53 die dpa-Meldung „(Eil ) ,Bild': Steinmeier wird Außen-, Maas Justizminister" über den Ticker ging, ist schnell die Besetzung aller SPD-Ministerien bekannt und unter der Hand auch vielfach bestätigt. Ja, Frank-Walter Steinmeier, bisher Fraktionschef, kehrt ins Auswärtige Amt zurück. Ja, Heiko Maas, bislang Vizeministerpräsident im Saarland, übernimmt das Justizressort. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat natürlich nicht abgewartet, bis ausgezählt war. Er hat in vielen Telefonaten seine Mannschaft zusammengestellt, und er hat die Kandidaten informiert.

Glückwünsche werden nicht angenommen

Andrea Nahles ist auch eine Kandidatin – das Arbeitsministerium, wenig überraschend. Die Noch-Generalsekretärin im Hof der „Station“, wie der Veranstaltungsort sich nennt, kommt gerade noch dazu, die rege Beteiligung an dem Mitgliedervotum als „ganz hervorragendes Ergebnis" und als Zeichen dafür zu loben, wie lebendig die SPD im 150. Jahr ihres Bestehens sei. Da wird sie schon nach dem Personaltableau gefragt. „Dazu gebe ich keinen Kommentar", sagt sie knapp. „Ich nehme auch keine Glückwünsche an." Barbara Hendricks nimmt auch keine Glückwünsche an. Sie soll Umweltministerin werden.

Aber erst einmal muss auch sie noch in den Hallen des Backsteinbaus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts demonstrieren, wie die eigens georderten Briefschlitzmaschinen vom Typ OL 1000 plus in der Nacht die vielen Kuverts auffräsen werden - 20.000 je Stunde schafft jeder der Hochleistungsapparate. Der Slogan des Herstellers lautet: „Wenn die Post so richtig abgehen soll.“

Dann geht es hinüber in die große „Bananenhalle“ - sie heißt so wegen ihres gebogenen Grundrisses -, wo von ein Uhr am Samstagmorgen an die ersten von 400 sozialdemokratischen Freiwilligen aus der ganzen Republik die Voten auszählen werden. Gelbe und schwarze Postkisten stehen auf den sauber ausgerichteten Tischen, daneben liegen schon die grünen Fingerlinge aus Gummi, damit sich keiner verzählt, weil zwei Stimmzettel womöglich zusammenkleben.

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