Politik : Großoffensive in Afghanistan gegen Taliban

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Berlin - Wenige Wochen nach Ausbruch der schwersten Unruhen in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban vor fünf Jahren hat im Süden des Landes unter US- Führung die größte Offensive seit 2001 begonnen. Dabei wurden nach Angaben der US-Streitkräfte in der südostafghanischen Provinz Paktika mindestens 40 Rebellen getötet. Ziel sei gewesen, Rebellenführer „zu töten oder gefangen zu nehmen“. Ein radikal-islamischer Kämpfer sei gefangen genommen, ein Soldat der Koalitionstruppen verletzt worden.

Zwischen 11 000 und 12 000 Soldaten, darunter vor allem Briten, Kanadier und Niederländer, sollen im Verlauf der Operation „Mountain Thrust“ in den Provinzen Helmand, Kandahar oder Sabul gegen Talibankämpfer vorgehen und durch Militärpräsenz den sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau überhaupt erst möglich machen. Die Operation beginnt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Verantwortung auch im Süden des Landes von der US-Armee auf die Isaf-Truppen der Nato übergeht. Deutschland hat bereits Anfang des Monats im Norden Afghanistans das Kommando über die dort stationierten Isaf-Truppen übernommen.

An „Mountain Thrust“ werde sich kein Bundeswehrsoldat beteiligen, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) der ARD. Er schloss aber einen derartigen Einsatz deutscher Soldaten künftig nicht aus. Deutschland habe in Afghanistan eine „Gesamtverantwortung“ übernommen. „Gegebenenfalls könnten wir auch dort in die Verantwortung genommen werden“, so der Minister.

Dass es in Nordafghanistan in absehbarer Zeit zu einer ähnlichen Großoffensive kommt, hält die Afghanistanexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Citha Maass, für unwahrscheinlich. Dort sei das „Bedrohungsszenario wesentlich kleinteiliger“. Jedoch wachse durch die Operation im Süden „in jedem Fall das Sicherheitsrisiko für Vergeltungsanschläge auf Bundeswehrsoldaten – auch wenn die Deutschen im Land nach wie vor große Sympathien genießen“. Was „Mountain Thrust“ betrifft, ist Maass zudem skeptisch. Die afghanischen Kämpfer würden gemäß ihrer Guerilla-Taktik mit kleinen Anschlägen punktuell angreifen. Dagegen könne ein massives Truppenaufgebot nicht vorgehen. cir/dpa

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