Gründung vor 25 Jahren : Als die DDR-Grünen die Staatsmacht provozierten

Vor 25 Jahren beschlossen Aktivisten von Umweltgruppen, die "Grüne Partei in der DDR" zu gründen. Als sie ankündigten, bei der nächsten Volkskammerwahl anzutreten, forderten sie den SED-Staat heraus. Danach verlief die Entwicklung rasant.

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1993 war es. Bündnis 90 und Ost-Grüne fusionierten mit den westdeutschen Grünen zur gesamtdeutschen Partei. Foto: picture alliance / dpa
1993 war es. Bündnis 90 und Ost-Grüne fusionierten mit den westdeutschen Grünen zur gesamtdeutschen Partei.Foto: picture alliance / dpa

Als in der Endphase der DDR die Grünen in Ostdeutschland gegründet wurden, war Steffi Lemke dabei. Genau 25 Jahre ist das nun her. Lemke studierte damals Agrarwissenschaften in Berlin, aufgewachsen war sie im Chemiedreieck Bitterfeld. „Gegen den Gestank und den Dreck wollte ich etwas tun“, erzählt sie. Der Weg zur DDR-Umweltbewegung war für die damals 21-Jährige nicht weit. Am 24. November 1989 besuchte Lemke zusammen mit einer Studienkollegin das sechste Berliner Ökologie-Seminar in den Räumen der Bekenntniskirche in Berlin-Treptow. Aktivisten der Umweltgruppen hatten bereits drei Wochen zuvor einen Appell zur Parteigründung gestartet, nun war es soweit. Nach einer längeren Grundsatzdiskussion entschlossen sich die Teilnehmer, die „Grüne Partei in der DDR“ zu gründen.

In ihrer Partei machte Lemke nach der Fusion mit den westdeutschen Grünen Karriere: Von 2002 an war sie elf Jahre Bundesgeschäftsführerin und organisierte etliche Wahlkämpfe, seit der Bundestagswahl 2013 ist sie Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion. Zu den Parteigründern gehörte neben Lemke auch Andreas Schulze, der heute die Kommunikationsabteilung für Bundespräsident Joachim Gauck leitet und früher unter anderem Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde unter Marianne Birthler war.

Den 24. November 1989 bewerten die beiden Parteivorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir heute als einen „großen Tag“ in der Geschichte der Grünen. Die damalige Ankündigung, bei der nächsten Volkskammerwahl antreten zu wollen, sei „eine direkte Provokation gegenüber der Staatsmacht“ gewesen und „der erste Versuch dieser Art in der Geschichte der DDR“.

Zur formellen Parteigründung kam es schließlich im Februar 1990 im Neuen Theater in Halle, rund 400 Delegierte nahmen an der Versammlung teil. Steffi Lemke fing damals an, in ihrer Geburtsstadt Dessau die Parteistrukturen aufzubauen. Im Februar 1990 kamen die Ost-Grünen bereits auf 3000 Mitglieder. Der Aufbau verlief schneller als bei anderen Gruppierungen der ostdeutschen Bürgerbewegung. „Die westdeutschen Grünen haben uns wahnsinnig viel geholfen“, erzählt Lemke. Manchmal seien allerdings auch lustige Dinge passiert. So war der Kopierer, den die Grünen in Dessau aus Bielefeld geliefert bekamen, um ihre Flugblätter zu vervielfältigen, kaputt und musste Jahre später gegen Geld entsorgt werden.

Nach der Wahl 1990 vertraten die Ost-Grünen im Bundestag vorübergehend allein die Grünen, die Westpartei war an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Auf einer gemeinsamen Liste mit Bündnis 90 stellten sie acht Abgeordnete. Drei Jahre später, im Jahr 1993, fusionierten Bündnis 90 und Ost-Grüne mit den westdeutschen Grünen zur heutigen gesamtdeutschen Partei.

Das grüne Führungsduo Peter/Özdemir kündigte an, die Partei werde die Regierungsbeteiligung mit Linken und SPD in Thüringen nutzen, um die Geschichte des DDR-Unrechtsstaats weiter aufzuarbeiten. An die Adresse von CDU und FDP sagten sie: „Auch die Nachfolger der damaligen Blockparteien müssen sich dem endlich stellen.“

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