• Grüne: "Atom-Ausstieg ist kein Opa-Thema" Renate Künast zur Erneuerung ihrer Partei in den Zeiten von Möllemann

Politik : Grüne: "Atom-Ausstieg ist kein Opa-Thema" Renate Künast zur Erneuerung ihrer Partei in den Zeiten von Möllemann

Was können die Grünen von der neuen Spa&

Die Grünen-Chefin (44) im Berliner Abgeordnetenhaus bewirbt sich auf dem Parteitag neben Fritz Kuhn um den Vorsitz für die Bundespartei.





Was können die Grünen von der neuen Spaß-Partei FDP lernen?

Wir müssen uns nicht wie Jürgen Möllemann vom Himmel werfen. Wir sind nicht Konjunkturritter wie die FDP, die je nach Zeitgeist mal sorum und mal andersrum losrennen. Unser Charme besteht in einem guten grünen Faden, in einer Mischung aus Kompetenz und Kreativität.

Derzeit sehen die Grünen eher grau aus.

Genau deshalb brauchen wir eine Erneuerung: personell, inhaltlich und in den Arbeitsweisen. Es hat sich etwas eingefahren, was nicht unserem Gründungsnaturell entspricht. Und es ist auch nicht das, was die jungen Menschen bei uns suchen. Die wollen, ohne Horrorszenarien zu entwerfen, für Ökologie und Demokratie kämpfen.

Das heißt, sie sind ganz froh, dass das Opa-Thema Atom-Ausstieg auf dem Parteitag beerdigt wird und sie neu anfangen können?

Atom-Ausstieg ist kein Opa-Thema, sondern ein Thema für die ganze Großfamilie. Ich bin allerdings auch froh, wenn wir endlich dazu kommen, das Energie-Thema in der ganzen Breite zu bearbeiten, Ökologie wieder darzustellen als etwas, das Arbeitsplätze und Lebensqualität bringt. Und dann erwarte ich natürlich, dass wir unser zweites Thema, die Demokratie, wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Um stärker in Konkurrenz zur FDP zu treten?

Umgekehrt: Die FDP versucht, mit uns zu konkurrieren. Wir werden Dritte bleiben.

Konjunkturritter wollen Sie nicht sein. Ist Rezzo Schlauch einer, wenn er sich als begeisterter Autofahrer outet?

Die Stärke der Grünen liegt auch in den Ursprungspunkten. Ich selbst habe kein Auto, fahre aber gerne Auto. Ich kann nur raten, sachlich mit dem Thema umzugehen. Der Schulbus fährt nicht in die Disco und Menschen mit Kindern können auch nicht drei Kinder und vier Windelkartons tragen. In der Großstadt lässt sich bei einem guten öffentlichen Nahverkehr auf das Auto verzichten, in der Fläche klappt das nicht ganz.

Was antworten die Grünen auf die Fragen der Spaßgeneration?

Vorsicht mit Verallgemeinerungen: Die Jüngeren schreiben sich doch nicht den ganzen Tag über nur Fun auf die Fahnen. Sie sind sehr ernsthaft, sehr seriös, leistungsbereit. Sie wissen, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen müssen. Aber anders als die FDP glauben wir, dass nicht der mit den spitzesten Ellenbogen durchkommt. Wir wollen beides: Die Menschen sollen sich autonom entwickeln, aber auch Solidarität zeigen.

Sie stehen da als Bedenkenträger mit sorgenzerfurchtem Gesicht.

Geben Sie uns die Chance, das zu ändern. Denn genau das tun wir jetzt. Die Grünen sind vor 20 Jahren in einer Gesellschaft voller Tabus gegründet worden. Nachdem sich die Bundesrepublik auch durch unser Zutun geöffnet hat, müssen auch wir zu einem neuen Politikstil finden.

Müssen Sie die Partei nicht auch stärker gegen ihren heimlichen Vorsitzenden Joschka Fischer profilieren?

Der politische Gegner sitzt außerhalb unserer Partei. Ich stehe für Konzepte, bei denen alle miteinander arbeiten.

Sie wollen die Partei mit einem neuen Parteirat stärken. Darf sich Joschka Fischer um die Kandidatur für dieses Gremium drücken?

Die Kandidatenliste ist nicht geschlossen. Bis dahin hat er die Möglichkeit sich zu entscheiden. Ein gemeinsame strategische Planung wird am besten funktionieren, wenn alle drei Minister und die beiden Fraktionsvorsitzenden im neuen Parteirat sind.

Die amtierende Vorsitzende Antje Radcke will bei den Vorstandswahlen nicht antreten, falls die Partei Ja sagt zum Atomkonsens. Was tun Sie, wenn die Partei den Atomkonsens ablehnt?

Ich kämpfe für den Atom-Kompromiss. Nach einer kritischen Debatte wird der Parteitag dem Konsens zustimmen. Punkt.

Und wenn nicht?

Punkt.

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