Grüne : Claudia Roths Qual mit der Wahl

Zwei Nächte lang hat sie mit sich gerungen, mit ihrer schweren Niederlage. Dann hat Claudia Roth beschlossen, dass es Wichtigeres gibt als persönliche Enttäuschung: den Erfolg ihrer Partei.

von
Bitterer Zug. Claudia Roth versuchte am Montag nicht, ihre Gefühle zu verbergen. Jeder sollte sehen können, wie verletzt sie ist.
Bitterer Zug. Claudia Roth versuchte am Montag nicht, ihre Gefühle zu verbergen. Jeder sollte sehen können, wie verletzt sie ist.Foto: Steffi Loos/dapd

Claudia Roth trägt Schwarz, Tiefschwarz. Im dunklen Kleid und in schwarzen Stiefeln tritt die 57-Jährige am Montagmorgen in der Bundesgeschäftsstelle der Grünen vor das Mikrofon. Die Frau, deren Markenzeichen die schrillen Klamotten sind, violettblaue Mäntel mit psychedelisch anmutenden Kreisen, Rauten oder Punkten, die einmal als „Lady Gaga der deutschen Politik“ beschrieben wurde, trägt an diesem Montag nicht mal ihren üblichen knallroten Lippenstift. Es ist acht Uhr morgens, kurz vor der regulären Bundesvorstandssitzung. Aus medialer Sicht ein guter Zeitpunkt für eine Rücktrittserklärung. Rücksprachen sind nicht mehr notwendig. Claudia Roth hat sich entschieden.

Zwei Nächte hat die Parteichefin der Grünen nach Bekanntwerden der Urwahl-Ergebnisse am Sonnabend mit sich gerungen. Soll sie nach der herben Niederlage, die ihr die Basis bei der Urwahl für das Spitzenduo für die Bundestagswahl 2013 bescherte, an ihrer erneuten Kandidatur für den Parteivorsitz festhalten? Mit 26,2 Prozent landete Claudia Roth abgeschlagen hinter den drei Polit-Promis Jürgen Trittin, Katrin Göring-Eckardt und Renate Künast auf dem vierten Platz.

Mit ernster Miene tritt Claudia Roth ans Mikrofon. Sie spricht von einem „bitteren Ergebnis“, von „Zweifel und großer Zerrissenheit“ aber auch von „Licht im Schatten“. Viel Zuspruch habe sie am Wochenende erhalten. Und Hunderte von Mails, ein „Candystorm“, wie der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, die Sympathiebekundungen mit vielen virtuellen Herzchen bezeichnete. „Das hat mich besonders berührt“, sagt Roth mit fester Stimme.

Roth zieht trotz der „herben Klatsche“, wie sie sagt, ihre Kandidatur nicht zurück und tritt bei den Wahlen am Wochenende auf dem Bundesparteitag in Hannover an.

Warum tut sie sich das an? „In erster Linie“, sagt sie fast trotzig, „geht es nicht um mich“, sondern um die Ablösung von Schwarz-Gelb, um ein starkes grünes Ergebnis bei der Bundestagswahl und um den Erfolg der grünen Partei – „mal wieder“, ergänzt sie zwei bedeutende Worte.

Roth macht weiter, trotz ihrer Enttäuschung. Sie ist merklich angeschlagen. Ihr Mund trägt einen bitteren Zug, der nicht aus professioneller Betroffenheitsmimik wie bei anderen Politikern herzurühren scheint. Jeder soll ihre Verletzung sehen an diesem Morgen, das will sie nicht verbergen. Ausgerechnet die Basis hat sich nicht für sie entschieden, für eine Frau, für die Politik das Leben ist, die ihr Leben in den Dienst der Grünen gestellt hat.

23 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben