Politik : Grüne profitieren vom demografischen Wandel

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Berlin - Die Grünen haben gute Chancen, langfristig knapp 20 Prozent der Deutschen als Anhänger an sich zu binden, sind aber trotzdem nicht auf dem Weg zu einer Volkspartei. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am Donnerstag vorgestellt wurde. Danach profitiert die Ökopartei in höherem Maße als ihre politischen Konkurrenten vom demografischen Wandel. Laut der Studie gibt es gerade in den geburtenstarken Jahrgängen (nach 1960) einen hohen Anteil von Grünen-Anhängern. Diese Sympathisanten der Partei bleiben ihr nach dem Eintritt ins Berufsleben und mit wachsendem Alter treu, während gleichzeitig junge Anhänger dazukommen.

Auf dem Weg zu einer Volkspartei sehen die Autoren der Studie, Martin Kroh und Jürgen Schupp, die Partei aber nicht. Dazu fehle den Grünen die politische und soziale Breite von SPD und Union. „Sie haben eine vergleichsweise homogene Anhängerschaft“, erklärten die Forscher. So finden sich kaum Arbeiter, Arbeitslose und Rentner unter ihren Sympathisanten, während gut gebildete, gut und sehr gut verdienende Beamte und Selbstständige mittleren Alters in Großstädten überproportional gut vertreten sind. Politische Kompetenz wird den Grünen in der Umwelt- und Klimapolitik, aber weder in der Wirtschafts- noch Kriminalitätspolitik zugetraut. Die Anhänger einer militärkritischen Friedenspolitik gingen an die Linke verloren, seit Grüne in der Regierung Auslandseinsätze beschlossen.

Ein hoher Wähleraustausch besteht traditionell mit der SPD. Aber auch bei bürgerlichen Parteien bedienen sich die Grünen. Mit Union und FDP stünden sie seit rund zehn Jahren „in Konkurrenz um die Vertretung der bürgerlichen Klientel“, sagten die Forscher. Die größten Sorgen müssen sich die Liberalen machen: In Haushalten, in denen die Eltern sich zur FDP bekennen, stehen 26 Prozent der erwachsenen Kinder den Grünen nahe.

Grundlage der bis in die 80er Jahre zurückreichenden Studie ist das „sozio-ökonomische Panel“. Dafür werden regelmäßig 20 000 Menschen zu ihrer Lage und zu Parteien befragt. Hans Monath

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