Politik : Grüne profitieren vom Tief der SPD

Der kleine Koalitionspartner legt drei Punkte zu / Zutrauen in die Union wird schwächer

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POLITBAROMETER

Für das Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 18. bis 21. August 1189 Bürger befragt.

Nach einem kurzfristigen Zwischenhoch im Juli kämpft die SPD wieder gegen die politische Stimmung an. Sie rutscht um drei Punkte auf nunmehr 28 Prozent. Kapital daraus schlagen, anders als bisher, nicht mehr die Unionsparteien, sondern die Grünen. Die legen um drei Punkte auf zwölf Prozent zu.

Nach Angaben von Matthias Jung, Leiter der Forschungsgruppe, profitieren die Grünen trotz ihrer Koalitionszugehörigkeit von der Unzufriedenheit der Wähler mit der Reformpolitik der Regierung, aber auch von der unentschlossenen Haltung der Union gegenüber Reformen. Entsprechend konnten CDU/CSU diesmal aus der Unzufriedenheit mit der SPD kein Kapital schlagen (ein Punkt minus auf 48 Prozent). Die Grünen hingegen halten Jung zufolge eine „komfortable Position“: Zwar trügen sie die Entscheidungen der Regierung mit; im Gegensatz zu SPD und Union sei ihr Image aber traditionell weniger stark verbraucht. Die FDP steigert sich um einen Punkt auf sechs, die anderen Parteien um einen Punkt auf vier Prozent.

Wären am Sonntag Wahlen, lägen Union und FDP mit zusammen 51 Prozent klar vorn (RotGrün: 41 Prozent). Diese Konstellation spiegelt sich auch in einer knappen Mehrheit der Befragten für eine Kooperation von Schwarz und Gelb wider (26 Prozent). Eine große Koalition kommt in der Wählergunst nur noch auf Rang zwei. Nach der Arbeitslosigkeit (71 Prozent) gilt das größte Interesse der Befragten den Themen Rente und Alterssicherung. Die Wirtschaftslage fiel erstmals seit April auf Platz drei ab.

Bei der Kürzung der Entfernungspauschale sprechen sich 67 Prozent der Deutschen für gleichmäßige Belastungen aller Verkehrsteilnehmer aus. Die Steuerreform wollen lediglich 38 Prozent vorziehen, sofern sie auf Pump finanziert werden müsste. Zudem versprechen sich von diesem Reformschritt nach 40 Prozent im Juni nur noch 36 Prozent aller Befragten einen Wachstumsimpuls für die Wirtschaft. Die Hoffnung auf persönliche finanzielle Entlastung erwartet mit 18 Prozent nicht einmal jeder Fünfte.

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