Politik : Grüne sind für CDU-Kandidaten offen

Parteichef Bütikofer will in Präsidentendebatte „jeden Vorschlag prüfen“ und mit FDP sprechen

Hans Monath

Berlin. Die Grünen sind nach eigenen Angaben nicht auf einen Kandidaten aus dem rot-grünen Lager festgelegt. Seine Partei werde jeden Vorschlag von CDU/CSU „offen prüfen“, versicherte Grünen-Vorsitzender Reinhard Bütikofer im Gespräch mit dem Tagesspiegel am Sonntag. Allerdings müsse ein Kandidat Bedingungen erfüllen: „Er oder sie muss weltoffen sein, sollte für gerechte Reformen und ökologische Nachhaltigkeit stehen – und muss integrieren können.“

Nach Meinung der Grünen erfüllt der frühere CDU-Umweltminister Klaus Töpfer diese Kriterien. „Dass es bei uns großen Respekt für Klaus Töpfer gibt, ist ja inzwischen kein Geheimnis mehr“, sagte Bütikofer. Die Grünen könnten Töpfer aber „nicht an Stelle seiner eigenen Partei nominieren“.

Nach Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ auch Bundespräsident Johannes Rau erkennen, dass er Töpfer als geeigneten Kandidaten für höchste Staatsämter ansieht. „Das habe ich immer so gesehen“, erklärte Rau der ARD am Freitagabend. Gleichzeitig betonte er, er wolle sich damit nicht in die Kandidatendebatte einmischen.

In der Debatte über die Rau-Nachfolge drängen derweil immer mehr liberale Politiker darauf, einen eigenen FDP-Kandidaten zu benennen. Einzelne FDP-Politiker forderten, diesen notfalls gegen die Union mit den Stimmen von SPD und Grünen zu wählen. Bütikofer erklärte sich grundsätzlich zu Gesprächen mit der FDP darüber bereit. „Wenn ich das notwendig finde, werde ich auch mal mit Herrn Westerwelle reden", sagte er.

Der FDP-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag, Ingo Wolf, kündigte im „Focus“ an, wenn die Union keinen gemeinsamen FDP-Kandidaten wolle, müsse sie sich „darauf einstellen, dass wir eine andere Mehrheit für eine FDP-Kandidatur suchen“. Auch Vize-Parteichef Walter Döring forderte einen härteren Kurs gegenüber der Union. Es gebe „keinen Grund, die CDU zu schonen“, sagte er im Hinblick auf die Landtagswahlen in Hamburg, Thüringen und im Saarland. FDP-Präsidiumsmitglied Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, ihre Partei werde „die einzigartige Chance ergreifen“, den Präsidenten zu stellen. Mit Fraktionschef Wolfgang Gerhardt und der Ex-Ausländerbeauftragten Cornelia Schmalz-Jacobsen verfüge die FDP über „zwei herausragende Persönlichkeiten“. Der „Spiegel“ zitierte den Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner mit den Worten: „Diese einmalige Gelegenheit muss die FDP zu ihren Gunsten nutzen.“ Die „Welt am Sonntag“ berichtete, selbst die Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff und Hans Dietrich-Genscher hätten FDP-Chef Guido Westerwelle inzwischen zur Aufstellung eines liberalen Kandidaten gedrängt. Wie weit der Wille der FDP zum Konflikt mit der Union in der Präsidentenfrage tatsächlich ausgeprägt ist, blieb allerdings weiterhin offen.

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