Politik : Grüne und SPD fordern Mixas Rücktritt

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Berlin - Der Augsburger Bischof Walter Mixa gesteht zwar mittlerweile ein, vor zwanzig Jahren möglicherweise Ohrfeigen erteilt zu haben. Aber er beharrt darauf, „zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt zu haben“. Denn Ohrfeigen, so Mixas Argumentation, seien „damals vollkommen normal“ gewesen – und deshalb für ihn offenbar keine Form körperlicher Gewalt.

Für solche Spitzfindigkeiten haben die Grünen kein Verständnis. Sie forderten am Freitag Mixas Rücktritt als Bischof und als Militärbischof. Mixa habe die Öffentlichkeit „wiederholt belogen und muss von seinen Ämtern zurücktreten“, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. Es sei „besonders perfide“, dass sich Mixa mit der Behauptung reinwaschen wolle, Ohrfeigen seien normal und das hätten alle so gemacht. Als Bischof habe er jegliche moralische Autorität verloren. Auch der SPD-Politiker und bayerische Landtagsvizepräsident Franz Maget forderte Mixas Rücktritt. Auch bei Mitgliedern des Zentralkomitees der Katholiken wird Unmut laut. Die Augsburger Diözesanrätin Elisabeth Mantlik sagte über Mixas Verhalten: „Diese Heuchelei ist unerträglich.“ Mantlik kritisierte die widersprüchlichen Angaben Mixas scharf: „Von Anfang an eine ehrliche Aussage wäre hilfreich für alle Seiten gewesen.“

Ob der heutige Augsburger Bischof Kinder des Heimes St. Josef in Schrobenhausen mit dem Teppichklopfer oder mit Fausthieben verprügelt hat, konnte aber auch der Sonderermittler bislang nicht klären, den die Waisenhausstiftung eingesetzt hat. Mixa war von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer von Schrobenhausen und Kuratoriumsvorsitzender der Waisenhausstiftung, zu der das Kinderheim gehört.

Bislang habe er nur mit einem Betroffenen sprechen können, der ihm eidesstattlich versichert habe, zwischen 1990 und 1997 von Mixa geohrfeigt geworden zu sein, sagte der ermittelnde Anwalt Sebastian Knott. Er präsentierte am Freitag einen Zwischenbericht seiner Nachforschungen. Von den anderen sechs Betroffenen, die der Süddeutschen Zeitung gegenüber eidesstattlich erklärt hatten, von Mixa geschlagen worden zu sein, unter anderem mit Fausthieben und Teppichklopfern, wollte bislang noch keiner mit Knott sprechen. Ebenso wenig sei Bischof Mixa zu einem Treffen mit ihm bereit gewesen. Er habe auf seinen Anwalt verwiesen, der sich aber auch nicht äußern wollte.

Die „Mehrzahl der Betroffenen“ habe Anwalt Knott erzählt, dass die Schwestern des Heimes oft gesagt hätten: „Warte nur, wenn der Stadtpfarrer Mixa kommt“. Mixa seien besonders auffällige Kinder vorgestellt worden, der mit ihnen dann ein Vieraugengespräch geführt habe. Ob Mixa dabei geschlagen hat, ist unklar. „Wir können nur hoffen, dass es stimmt, was er sagt“, hatten Bischofskollegen zu den Vorwürfen gegen Mixa vergangene Woche gesagt. mit ddp

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