Grünen-Chefin im Europaparlament : "Michel Platini verhält sich dumpf-borniert"

Viele Politiker boykottieren die EM-Spiele in der Ukraine. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Europaparlament, Rebecca Harms, nicht. Sie will Zeichen setzen und erwartet das auch von dem deutschen Team. Nur den Uefa-Chef hat sie schon abgeschrieben.

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Timoschenko leidet unter einem Bandscheibenvorfall und soll von deutschen Ärzten behandelt werden. Die Ukraine will sie aber nicht aus dem Gefängnis lassen.Weitere Bilder anzeigen
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26.04.2012 21:13Timoschenko leidet unter einem Bandscheibenvorfall und soll von deutschen Ärzten behandelt werden. Die Ukraine will sie aber nicht...

Frau Harms, kaum ein Politiker besucht die Fußball-EM in der Ukraine. Sie aber werden am Mittwoch in Charkiw beim Spiel der Niederlande gegen Deutschland im Stadion sein. Warum?

Es ist richtig, den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und seinen politischen Clan zu boykottieren, aber es ist falsch, dasselbe mit der Zivilgesellschaft zu tun. Der Boykott darf nicht in Gleichgültigkeit kippen.

Wie sieht Ihr Programm aus?
Ich werde am Mittwochabend im Stadion sein. Am Donnerstag treffe ich die wichtigsten Vertreter der Oppositionsparteien in Kiew. Es geht darum, für die Opposition, die politischen Gefangenen und die Rückkehr zur Demokratie Flagge zu zeigen.

Wünschen Sie sich auch noch ein Signal der deutschen Mannschaft?
Dass das Spiel in Charkiw stattfindet, wo Julia Timoschenko inhaftiert ist, ist eine besondere Herausforderung. Die deutsche Mannschaft sollte am besten ein Zeichen gemeinsam mit den holländischen Spielern setzen. Die stehen bei der Verteidigung von Freiheit und Menschenrechten auch in der Pflicht. Aber viele Spieler haben sich kritisch positioniert, viel besser als die großen Tiere der Uefa.

Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament.
Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament.Foto: picture alliance / dpa

Was bemängeln Sie beim Ausrichter?
Die EM-Vergabe an die Ukraine sollte ein politisches Zeichen sein. Jetzt verdrängt man das, weil es bequem ist. Stattdessen verhält sich Uefa-Chef Michel Platini dumpf-borniert, indem er couragierte Spieler wie Lahm für ihre Worte kritisiert. Das ist peinlich.

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