Politik : Grünen-Parteitag in Münster: Warum der Nachwuchs kämpfen muss

Stephan-Andreas Casdorff

Die Christdemokraten haben sie, die Freidemokraten haben sie auch - aber die Grünen nicht: junge Wähler. Die vormalige Sammlungsbewegung des jugendlichen Protests, heute eine Partei ohne Ausstrahlung auf die Jugend? Das gibt ihnen zu denken: den jungen Grünen. Und sie sind, was ja auch verständlich ist, mit der Situation unzufrieden. Wie reagieren da die Älteren in der Partei? Mit Verständnis? Vielleicht sogar mit Entgegenkommen? Sie reagieren - mit einer Kürzung der Mittel für die Jugendarbeit.

Der Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen sieht vor, die Zuschüsse für die Grüne Jugend um 20 000 Mark zu kürzen. Das klingt zwar wenig. Aber für eine Gruppe, die sowieso schon wenig zu melden hat, ist das viel. Und mehr, als sie hinnehmen will: "Dieser Trend drückt eine reale Gefahr aus, dass Bündnis 90/Die Grünen zu einer Ein-Generationen-Partei werden", meint Ramona Pop, die Sprecherin der Grünen Jugend. Die Pop-Generation wehrt sich, die grüne Honoratioren-Generation sträubt sich. Als wären sie selber noch die Jungen ...

Dabei ist allen die Lage klar. In allen Analysen weisen die Experten darauf hin, dass den Grünen die Jungwählerschaft tatsächlich ungebremst wegbricht. Der Politische Geschäftsführer weiß es, der künftige Parteichef sagt es, jedes Parteimitglied kann es jeden Tag lesen. Es ist zum Graue-Haare-Kriegen, "ein kritischer, aber solidarischer, in jedem Falle starker Jugendverband ist da unverzichtbar", sagt Ramona Pop. Die Christdemokraten haben ihn, die Freidemokraten auch. Ob daraus für die Grüne Jugend etwas folgen wird, nach der Wahl auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Münster? Ob die Partei sich für die, die für sie einen Dienst leisten wollen, als Dienstleister erweist?

Pop hofft es: In dieser Situation, meint sie, sei die Zuschuss-Kürzung nicht nur nicht verständlich, sondern auch "nicht hinnehmbar". Der neue Sport der Grünen, Kröten-Schlucken, ist keiner, bei dem die Jungen sich vor allen anderen beweisen wollen. Pop erwartet auf anderem Feld mehr. Fünf aus der Generation der unter 30-Jährigen bewerben sich am Wochenende für die Gremien der Grünen. "Hier muss die Partei Farbe bekennen und zeigen, dass der angemahnte Generationswechsel nicht bloß eine leere Worthülse ist", hält Ramona Pop mit Nachdruck fest. Mehr als ihre Hoffnung aber bleibt ihr nicht.

Auf Unterstützung von Älteren kann sich mit Sicherheit wenigstens eine verlassen: Niombo Lomba. Der Landesverband Bayern unterstützt die Kandidatur der 27-jährigen Politikstudentin aus Augsburg für den Vorstand. Die Tochter einer Deutschen und eines kongolesischen Forstwissenschaftlers will in der Spitze nicht für Multi-Kulti werben, sondern für Bildung, Schulen, Internet. Sie will das Politikverständnis und Lebensgefühl der jungen Grünen zur Geltung bringen - die Eltern-Generation ist ja auch schon in ausreichend großer Zahl im Bundesvorstand vertreten.

Silke Kolwitz, 31, aus Berlin tritt ebenfalls an. Die Jugend traut sich vor - aber die Älteren trauen ihr offenkundig wenig zu. Schon wird über diese Einwände berichtet: Von den Jungen sei konzeptionell noch nichts zu hören gewesen. So reden gerne die Älteren. Und zu lesen war, dass der Altersdurchschnitt den Älteren in manchen Führungsgremien auch zu niedrig sei. In der Fraktion in Berlin, zum Beispiel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar