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Grüner Oberbürgermeister in Stuttgart : Fritz Kuhn krempelt das Rathaus um

17.05.2013 13:30 UhrVon Thomas Braun
Grün regiert das Rathaus. Oberbürgermeister Fritz Kuhn gilt als umgänglicher Chef.Bild vergrößern
Grün regiert das Rathaus. Oberbürgermeister Fritz Kuhn gilt als umgänglicher Chef. - Foto: Marijan M/Picture-Alliance

In der Kantine reiht sich der neue Chef zum Essen ein, bei den Besprechungen besteht er auf Kuchen. Stuttgart wird seit etwa 100 Tagen von einem Mann regiert, der mit den Menschen schwätzen kann. Doch die Bewährungsproben stehen Fritz Kuhn noch bevor.

Das Verhältnis des neuen Oberbürgermeisters zu seiner Stadt liegt gut in der Hand. Es ist ein Drehknauf. Die Tür zu den Amtszimmern springt auf, wenn man ihn betätigt. Der Knauf ist neu, und seit es ihn gibt, ist es ein Leichtes, vor den Empfangstresen zu treten, der die letzte Barriere zwischen der Stadt und ihrem Oberhaupt ist.

Sie zu erreichen hat früher bedeutet, vor verschlossener Tür eine Klingel drücken zu müssen. Eine Stimme aus der Gegensprechanlage fragte, was man wolle. Erst danach der Schritt durch die Bürgermeisterpforte und dorthin, wo seit etwa 130 Tagen Fritz Kuhn, der Grüne, die Geschäfte führt. Fangen wir also dort an mit der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was Kuhns Amtsantritt für Stuttgart verändert hat.

Die Wände in dessen Amtszimmer im ersten Stock des Rathauses sind frisch geweißelt. Kuhns Vorgänger Wolfgang Schuster hatte sie mit großflächigen, farbenfrohen Gemälden dekoriert. Auf dem Sideboard hat der neue Mann Fotos seines politischen Lebensweges aufgestellt. Fritz Kuhn an der Seite Joschka Fischers, Kuhn bei einem Treffen mit dem Dalai Lama. Der große runde Holztisch, an dem Schuster seine Gäste zu empfangen pflegte, ist einer Glasplatte mit Ledersesselgarnitur gewichen. Der Schreibtisch wirkt aufgeräumt – Fritz Kuhn ebenso. Auch modisch hat sich einiges bei ihm getan. Als er antrat, hatte er noch keine Krawatte, eben gewählt trat er mit einer uralten vor die Leute, und jetzt hat er durchaus wechselnde Modelle vor den offenen Hemdkragen gebunden. Es ist zwar nur eine Äußerlichkeit, aber der Habitus soll zeigen, da will sich einer an die Förmlichkeiten seines Amtes halten.

Aber es ist auch so: Fritz Kuhn liebt klare Strukturen. Hat er stets als der grüne Realo, der vormals parlamentarische Mehrheiten organisierte. In Stuttgart hat er als Erstes die wöchentliche Bürgermeisterrunde – eine Art Küchenkabinett – im Rathaus wieder eingeführt und die Teilnahme für verpflichtend erklärt. Und er hat klargemacht: Geht nicht gibt’s nicht! Unter Vorgänger Schuster hatte die sogenannte Referentenrunde zuletzt nur noch sporadisch getagt. Und damit niemand mit leerem Magen am Tisch sitzen muss, hat der Chef seine sieben Beigeordneten auch angewiesen, im Wechsel Kuchen mitzubringen.

Viele wollten ihren Augen nicht trauen, als sich der OB zum ersten Mal in der Kantine in die Schlange der Beschäftigten einreihte. Wo der Christdemokrat Schuster eher fremdelte und dem spontanen Gespräch lieber aus dem Weg ging, zeigt sich der Neue zugänglich, aufgeschlossen und interessiert. „Die Bürger wollen einen OB, mit dem sie schwätzen können“, sagt er.

Neulich hat die „Bild“-Zeitung den Pappkameraden-Test gemacht. 50 Jugendlichen wurde ein Abbild ihres Stadtoberhaupts gezeigt mit der Frage, ob sie die Person erkennen. Immerhin zehn Prozent taten es.

Über die Stadtgrenzen hinaus hat der frühere Fraktions- und Parteichef der Bundesgrünen für mehr Aufsehen und Schlagzeilen gesorgt – mit der Schließung des Stuttgarter Fernsehturms. Zwar war der Turm 57 Jahre lang ohne Beanstandungen durch Feuerwehr und Baurechtsamt für Besucher zugänglich gewesen. Doch weil die Experten nach einer Inspektion zu dem Schluss kamen, es gebe im Brandfall keinen vorschriftsmäßigen Rettungsweg, ordnete der OB nach telefonischer Rücksprache mit dem Eigentümer, dem Südwestrundfunk, die sofortige Schließung an. „Im Ernstfall hätte ich sonst zu Recht Besuch vom Staatsanwalt bekommen“, rechtfertigt sich Kuhn. Er habe keine Wahl gehabt.

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