Gryfino : Proteste gegen Pläne für Akw in Polen

Umweltschützer aus Deutschland und Polen haben am Samstag gegen den möglichen Bau eines Atomkraftwerks im polnischen Gryfino (Greifenhagen) bei Schwedt protestiert.

Claus-Dieter Steyer

Gryfino/Schwedt - Umweltschützer aus Deutschland und Polen haben am Samstag gegen den möglichen Bau eines Atomkraftwerks im polnischen Gryfino (Greifenhagen) bei Schwedt protestiert. Etwa 100 Teilnehmer marschierten vom Bahnhof der 120 Kilometer nordöstlich Berlins gelegenen Stadt zum Marktplatz, wo Vertreter der Grünen symbolisch ein zwei Meter hohes Modell eines Kraftwerkes aufpumpten. Mehrere Redner lehnten die Baupläne ab, weil ein Atommeiler in unmittelbarer Nähe des grenzüberschreitenden Nationalparks „Unteres Odertal“ die Lebensqualität mindern und Touristen abschrecken könnte. „Außerdem ist die Kernenergie keine Lösung für die Energieprobleme“, sagte Axel Vogel, Spitzenkandidat der Grünen bei der Landtagswahl in Brandenburg im Herbst.

Bereits vor drei Jahren war Gryfino als möglicher Standort für ein Atomkraftwerk genannt worden. Doch Regierungswechsel und Wirtschaftskrise hatten das Thema wieder aus den Schlagzeilen verdrängt. Nun aber hofft die Region auf rund 1000 neue Arbeitsplätze und zusätzliche Steuereinnahmen. Bis 2020 will Polen zwei Kernkraftwerke bauen. Derzeit werden acht Standorte geprüft, wobei Wissenschaftler immer wieder für Gryfino plädieren, weil es große Synergieeffekte mit dem bereits bestehenden Kohlekraftwerk gebe.

Der Bau eines ersten Atomkraftwerkes in Polen war nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 gestoppt worden. Seither bezieht das Land seinen Strom fast ausschließlich aus Kohlekraftwerken. „Wir müssen jetzt gegen das mögliche Atomkraftwerk protestieren, bevor die polnische Regierung eine Entscheidung fällt“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Mike Bischoff, der tausende Unterschriften gegen die Pläne gesammelt hat. Claus-Dieter Steyer

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