Politik : Guantanamo: Arznei-Tests an Häftlingen?

Hans-Hagen Bremer

Paris - Möglicherweise werden an Häftlingen in Guantanamo auch Versuche mit Medikamenten praktiziert. Der Verdacht ergibt sich aus dem Bericht eines ehemaligen Gefangenen, den die Pariser Zeitung „Libération“ am Montag veröffentlichte. Darin schildert Mourad Benchellali, ein 24-jähriger Franzose algerischer Herkunft, dass ihm im Gefangenenlager der US-Streitkräfte auf Kuba „viele Arzneimittel“ verabreicht wurden, angeblich gegen Tuberkulose, Tollwut und Malaria. Er habe davon Kopfschmerzen bekommen und sich übergeben müssen. „Ich dachte, man macht Versuche mit uns, denn es wurden uns viele Fragen nach der Wirkung gestellt“, erinnert er sich. Er habe auch Impfungen erhalten, die Übelkeit, Durchfall und Verstopfungen verursachten. Einmal sei ihm eine Spritze in den Arm gesetzt worden, die zu einer Schwellung geführt habe, die dann gemessen worden sei.

Benchellali ist einer von acht ehemaligen französischen Gefangenen von Guantanamo, die 2004 von den USA an Frankreich überstellt wurden. Er und fünf andere sehen wegen der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung Verfahren vor französischen Gerichten entgegen. Die Anklage stützt sich auf Verhöre durch die französische Polizei auf Guantanamo. Anträge der Verteidiger, wegen des zweifelhaften Charakters der Verhöre die gesamte Prozedur zu annullieren, hatte die Justiz verworfen. Benchellali, der sich seit Januar auf freiem Fuß befindet, bestreitet die Vorwürfe. Er sei 2001 aus Naivität in Afghanistan in Lager von Al Qaida geraten. Nach seiner Festnahme 2002 in Pakistan kam er dort in US-Lager, in denen die Gefangenen „täglichen Misshandlungen“ ausgesetzt gewesen seien. Die Quälereien seien in Guantanamo fortgesetzt worden, so seien Gefangene ohrenbetäubender Musik ausgesetzt worden.

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