Guantanamo : Bin Laden-Helfer zu lebenslanger Haft verurteilt

Unmittelbar vor der US-Präsidentenwahl hat eine Militärjury im Gefangenenlager Guantanamo einen Propagandahelfer von Terroristenchef Osama bin Laden schuldig gesprochen. Der aus dem Jemen stammende Ali Hamza al-Bahlul soll lebenslang inhaftiert bleiben.

WashingtonDas Gericht sah es am Montag (Ortszeit) als erwiesen an, dass Al-Bahlul Videos produzierte, mit denen die Terrororganisation Al Qaida Mitglieder rekrutierte und zu Selbstmordattentaten aufrief. Er werde die Haft umgehend in dem Gefangenenlager auf Kuba antreten, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Der Jemenit könne die Entscheidung allerdings anfechten, hieß es. Es war erst das zweite Urteil, das eine Militärjury in Guantanamo fällte.

Al-Bahlul hatte auf eine Verteidigung in dem Verfahren verzichtet und argumentiert, ihm können nur unter islamischen Recht der Prozess gemacht werden. "Macht weiter mit Eurem Prozess, und ich setzte meinen Boykott fort. Macht, was ihr wollt", sagte er nach Angaben der Zeitung "Miami Herald" bei der Urteilsverkündung.

Amnesty International: Prozesse zweiter Klasse

Die Verfahren vor dem Sondergericht sind international umstritten, weil die Angeklagten weniger Rechte als in normalen Militärprozessen oder Zivilverfahren haben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von "Prozessen zweiter Klasse, die die US-Regierung ihren Bürgern niemals zumuten würde".

Der Prozess gegen den 39-Jährigen Al-Bahlul war erst der zweite vor einer der Militärkommissionen in Guantanamo. Im August wurde der frühere Fahrer von Bin Laden, der Jemenit Salim Hamdan, zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Im Lager Guantanamo sitzen derzeit 255 Terrorverdächtige ein, angeklagt wurden bislang erst 20. (rf/dpa/AFP)

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