Guantanamo : Kurnaz wurde getäuscht

Zwei Wochen nach seiner Freilassung aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba sind neue Einzelheiten über die Inhaftierung des Bremer Ex-Häftlings Murat Kurnaz bekannt geworden. Er wurde über seinen wahren Aufenthaltsort getäuscht.

Hamburg - Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, Kurnaz habe Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) bei einem gemeinsamen Abendessen geschildert, dass ihm seine US-Bewacher nach seiner Festnahme vor fast fünf Jahren in Pakistan vorgelogen hätten, dass es "zurück in die Heimat" ginge. Nach mehrstündigem Flug mit verbundenen Augen habe sich Kurnaz aber in einem fremden Land wiedergefunden, das er aufgrund des warmen Klimas zunächst fälschlicherweise für die Türkei gehalten habe.

Erst durch die ornithologischen Kenntnisse eines Mitgefangenen sei ihm schließlich klar geworden, dass er sich auf Kuba befinde. Gemeinsam hätten sie eine Kolibriart beobachtet, die nur auf der Karibikinsel vorkommt. Als besonders schlimm habe der Internierte den fast vollständigen Verlust des Zeitgefühls empfunden. Nur durch das Verfolgen des Mondlaufs hätte man grob den aktuellen Monat schätzen können.

Böhrnsen betroffen

Böhrnsen hatte dem Bericht zufolge Kurnaz in dessen elterlicher Wohnung aufgesucht und den Heimkehrer willkommen geheißen. Das gemeinsame, diskrete Abendessen sei nach Angaben eines Regierungssprechers eine "herzliche Geste des Willkommens" gewesen. Der Bürgermeister habe sich von den Schilderungen des Ex-Gefangenen betroffen gezeigt.

Der Besuch war laut "Spiegel" auch eine versöhnliche Geste: Während der Gefangenschaft hatte die Hansestadt Kurnaz' Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängern wollen, da dieser sich mehr als sechs Monate außer Landes befunden habe.

Die US-Regierung hatte den aus Bremen stammenden Kurnaz Ende August nach über vier Jahren im US-Gefangenenlager Guantanamo freigelassen. Der türkische Staatsangehörige war im Herbst 2001 nach Pakistan gereist, um dort angeblich eine Koranschule zu besuchen. Kurz darauf war er wegen mutmaßlicher terroristischer Kontakte verhaftet worden. Vermutlich seit Januar 2002 saß er in Guantanamo in Haft. (tso/ddp)

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