Guatemalas neuer Präsident Jimmy Morales : "Nicht korrupt, kein Dieb"

Guatemala hat den Komiker Jimmy Morales mit 68 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Die Abstimmung gilt auch als Denkzettel für die bisher regierende politische Elite.

Der neue Präsident Guatemalas, Jimmy Morales, feiert seinen Sieg gemeinsam mit seiner Frau Gilda de Morales.
Der neue Präsident Guatemalas, Jimmy Morales, feiert seinen Sieg gemeinsam mit seiner Frau Gilda de Morales.Foto: dpa

Im Film verkörperte er einmal einen naiven Cowboy, der beinahe zum Präsidenten gewählt wird, nun wurde er tatsächlich in das höchste Staatsamt gewählt: Der 46-jährige Jimmy Morales ist mit rund 68 Prozent Stimmenanteil als klarer Sieger aus der Stichwahl in Guatemala hervorgegangen. Er versprach den Wählern in der Nacht zum Montag, gegen die verbreitete Korruption im Land zu kämpfen.

Morales setzte sich in der Stichwahl vom Sonntag gegen die frühere Präsidentenfrau Sandra Torres durch, die auf rund 32 Prozent der Stimmen kam. Dabei spielte offenbar die Ablehnung der bisher regierenden politischen Elite eine große Rolle, die von der Bevölkerung für die Korruption verantwortlich gemacht wird. Ausgezählt waren bis zum Sonntagabend (Ortszeit) 96,3 Prozent der Stimmen.

"20 Jahre lang habe ich euch zum Lachen gebracht, - wenn ich Präsident werde, werde ich euch nicht zum Weinen bringen", sagte Morales im Wahlkampf. Noch im April lagen seine Umfragewerte bei 0,5 Prozent. Aber dann zog eine beispiellose Anti-Korruptions-Welle über das Land, die im September zum Rücktritt des bisherigen Präsidenten Otto Pérez und seiner vorläufigen Festnahme führte. Morales hatte beim ersten Wahlgang am 6. September 23,99 Prozent der Stimmen errungen, Torres kam damals auf 19,75 Prozent.

Guatemala ist der bevölkerungsreichste Staat in Mittelamerika


"Wir müssen den hohen Ansprüchen Guatemalas genügen", sagte Morales in der Wahlnacht im Obersten Gerichtshof, der für die Anerkennung der Gültigkeit der Wahl verantwortlich ist. Die Bewohner des bevölkerungsreichsten zentralamerikanischen Staates mit seinen 15,8 Millionen Einwohnern sei nunmehr "weitaus aufmerksamer, dass die Regierung nicht korrupt ist und ineffizient arbeitet", sagte Manfrede Marroquin von der Organisation Accion Ciudadana. Auch der Politikwissenschafter Marco Antonio Barahona zeigte sich zuversichtlich, dass "der Impuls zur Transparenz" unter der künftigen Regierung erhalten bleiben werde.

"Nicht korrupt, kein Dieb", lautete ein Slogan des vierfachen Vaters Morales. Er begeisterte mit seinem breiten Lachen die Massen ebenso wie die Figur "Neto" von 2007, ein Cowboy, der es beinahe ins Präsidentenamt geschafft hätte. Morales setzte im Wahlkampf auf sein Charisma, sein politisches Programm gewann keine klaren Konturen.


Zweifel gibt es, was das Umfeld des künftigen Präsidenten angeht. Die rechtsgerichtete Partei FCN-Nación, die ihn unterstützt, ist im Land kaum verwurzelt und hat nur elf von 158 Parlamentssitzen. Morales' Gegenkandidatin Torres sagte, diese Partei stehe für die "alte Garde zweifelhafter Militärs".

Guatemala ist noch immer von dem Jahrzehnte währenden Bürgerkrieg gezeichnet, der im Jahr 1996 beendet wurde. Einige der Gründer der FCN-Nación sollen in der Zeit des Bürgerkriegs Menschenrechtsverletzungen begangen haben.

Torres war für die sozialdemokratische Nationale Union der Hoffnung (UNE) ins Rennen gegangen. Sie ließ sich im Jahr 2011 vom damaligen Präsidenten Álvaro Colom scheiden, um selbst für das höchste Staatsamt kandidieren zu dürfen. Das hätte sie als Angehörige des Staatschefs nicht gedurft.

Die Amtseinführung Morales' ist für den 14. Januar 2016 geplant.


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