Politik : Günther Oettinger aus Stuttgart als neuer Generalsekretär im Gespräch

Stephan-Andreas Casdorff

Angela Merkel also - und wer als Generalsekretär? Wieder ist ein Baden-Württemberger für die Führung im Gespräch: Günther Oettinger. Der alerte Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag würde niemals öffentlich abwinken. Er würde auch niemals öffentlich seine Ambitionen äußern. Ob er Ministerpräsident werden will? Keine Frage, nur sagen will er es nicht. Ob er sich das Amt des Generalsekretärs zutrauen würde? Auch keine Frage. Aber für ihn ist es doch besser, er sagt dazu nichts. Außer diesem Satz: "Ich finde, Angela Merkel muss das Recht haben, das Amt des Generalsekretärs nach ihren Vorstellungen zu besetzen."

Merkel und Oettinger haben Kontakt, treffen sich sporadisch, wollen sich demnächst auch einmal ausführlicher besprechen. Oettinger, der fast so schnell analysieren kann, wie er spricht, und Merkel - das ginge. Oettinger war es, der Ende der achtziger Jahre als baden-württembergischer JU-Chef schon Helmut Kohls Rücktritt verlangte. Die Überlegung fällt in eine schwierige Zeit, ein Jahr vor der Landtagswahl, die auch über seine Zukunft entscheidet, darüber, wann er Ministerpräsident werden kann. Und Baden-Württemberg soll, ja muss gehalten werden, um ein Stück neue Zuversicht zu gewinnen: im darauffolgenden Jahr ist Bundestagswahl. Soll Oettinger da im Land für den Sieg kämpfen, oder von Berlin aus? Noch ist ihm diese Frage nicht gestellt worden. Er überlegt sich schon die Antwort.

Aber es wird 2001 nicht nur im "Ländle" gewählt, sondern auch in Rheinland-Pfalz, der Heimat des alten Patriarchen. Beide Wahlen werden an einem Tag stattfinden: "Super Tuesday" im Südwesten. Und Christoph Böhr, der Landesvorsitzende, kommt auch in Frage. Soll vielleicht er nach Berlin gehen, noch dazu, weil er derjenige ist, der mit seiner öffentlichen Hinwendung zum Alten die "Kohlianer" bindet und mit seinem Ruf nach einem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber auch den CSU-Vorsitzenden? Böhr, den sie den Philosophen nennen, ist aber nicht der Stärkste in der Organisation.

Die vormaligen "Jungen Wilden", die nun in die erste Reihe rücken, haben sich schon mehrmals getroffen in ihren vertraulichen Kreisen. Auch Christian Wulff ist dabei. Der stellvertretende Landesvorsitzende in Niedersachsen, der zweimal gegen Gerhard Schröder verlor, muss um zwei Dinge bangen: um seinen Platz als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender und seine nächste Chance im Land. Ein neuer Posten könnte helfen. Aber ein zweiter Bewerber aus dem Norden? Dagegen könnten der mächtige Westen und der Südwesten Einspruch erheben. So kommt es, dass Wulff, der sich als erster für Merkel aussprach, auch der ist, der sich zuallererst für Oettinger ausspricht.

Merkel - und wer? Das also sind die meistgenannten Kandidaten. Aber vielleicht sucht sie ja ein ganz anderes Gesicht. Zu hören sind auch noch die Namen Laurenz Meyer, der Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen ist, und Norbert Lammert, der den größten CDU-Bezirk der ganzen Republik führt, den im Ruhrgebiet. Lammert sitzt auch im Bundestag. Und er war es, der Wolfgang Schäuble den Abschied nahelegte - dahin können Diskussionen führen.

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